Den vorerst letzten Stopp auf der Nordinsel legten wir in der Hauptstadt Neuseelands, in Wellington, ein. Wenn die Kiwis über Wellington sprechen, fällt garantiert als eines der ersten Wörter das Adjektiv „windig“. Denn Wellington liegt direkt an der Cook Strait, der Meeresenge zwischen der Nord- und der Südinsel. Perfekt also für den Wind, der gerne durch diesen Kanal hindurchfegt und Wellington dadurch so manchen windigen und eher kühlen Tag beschert.

Schönwetterprogramm…

Botanischer Garten

Wir hatten uns ausrüstungstechnisch deswegen auf ein bisschen kältere Temperaturen eingestellt und waren ganz positiv überrascht, dass uns am ersten Tag viel Sonnenschein und vor allem kaum Wind erwartete. Wir nutzten die Gunst der Stunde und besuchten als erstes den Botanischen Garten. Das Highlight dort scheint allerdings nicht irgendeine Pflanze zu sein, sondern eine kleine Seilbahn, die vom Stadtzentrum ein kurzes Stück bis zum Botanischen Garten hinauffährt, vergleichbar mit der Polybahn in Zürich. Der Garten war zwar eher klein, jedoch mit einem guten Informationszentrum und mit vielen schönen Spazierwegen ausgerüstet, die uns durch abwechslungsreiche Pflanzensammlungen führten.

Mount Victoria Lookout

Da das gute Wetter auch am späteren Nachmittag immer noch anhielt, machten wir einen zusätzlichen Abstecher zum Mount Victoria Lookout. Wir hatten einen tollen Blick über das Stadtzentrum und einige Vororte. Auch den kleinen Flughafen kann man von dort oben sehr gut sehen. Manchmal können Flugzeuge auf Grund des starken Windes nicht beim ersten Versuch landen, sondern müssen nochmals durchstarten. Aber bei unserem Besuch auf dem Mount Victoria gab es keine Komplikationen und alle Flugzeuge konnten wie gewünscht beim ersten Mal aufsetzen.

Herumschlendern im Stadtzentrum

Auch an unserem zweiten Tag in Wellington zeigte sich das Wetter zum Glück von seiner besten Seite. Bei strahlendem Sonnenschein machten wir zuerst ein kleines Ausfährtchen der Küste entlang. Später erkundeten wir die Waterfront in Wellingtons Stadtzentrum. Mit einem leckeren Eis ausgerüstet, beobachteten wir die vielen Jogger, die hier über Mittag ihre Runden drehten. Es fühlte sich fast ein bisschen so an, wie in Zürich am See zu sitzen, Genuss pur! Am Nachmittag erkundeten wir dann noch weitere Teile des Stadtzentrums, darunter die Cuba Street, an welcher sich viele kleine Läden und Restaurants befinden.

Schlechtwetterprogramm…

The Weta Cave

Die letzten beiden Tage präsentierte sich Wellington dann leider nicht mehr von seiner Schokoladenseite. Es war merklich kühler geworden und regnete zum Teil heftig. Zum Glück hatten wir die Outdooraktivitäten schon anfangs Woche gemacht, so blieb uns nun noch genügend Zeit für das Schlechtwetterprogramm. Gleich in der Nähe unseres Campingplatzes befindet sich The Weta Cave. Anders als man vom Namen her meinen könnte, ist das jedoch keine Höhle, sondern es handelt sich hier um eine Firma, die in der Filmindustrie angesiedelt ist. In ihren Studios, genannt The Weta Workshop, wurden zum Beispiel Requisiten oder Spezialeffekte für Filme wie „Der Herr der Ringe“ oder „Avatar“ hergestellt. Wir verbrachten einen interessanten Vormittag damit, verschiedenste Gegenstände und Filmfiguren im Minimuseum zu bewundern und einen Dokumentarfilm über ihr Tun zu schauen.

 

Te Papa

Ebenfalls sehr geeignet für schlechtes Wetter war der Besuch im Te Papa, dem angeblich besten Museum von ganz Neuseeland. Der Eintritt ins Museum ist frei, was wir natürlich genial fanden. Im Museum könnte man vermutlich locker mehrere Tage verbringen, denn es beinhaltet unglaublich viele Ausstellungen zu ganz unterschiedlichen Themen. Sehr spannend fanden wir beispielsweise eine Ausstellung, die sich mit der Erdbebenthematik in Neuseeland beschäftigt. Weil Neuseeland auf zwei verschiedenen tektonischen Platten liegt, der pazifischen und der australischen, sind hier viele Auswirkungen sicht- und spürbar. Auf der Nordinsel kann man vermehrt geothermische Aktivitäten und Vulkane beobachten, auf der Südinsel dagegen findet man die Neuseeländischen Alpen mit Gipfeln von weit über 3000 m.ü.M. Und vor allem die Region um die Stadt Christchurch im Osten der Südinsel ist immer wieder von starken Erdbeben betroffen, da sie direkt auf dem Gebiet liegt, in welchem die beiden Platten aufeinandertreffen. Pro Jahr bebt die Erde in Neuseeland bis zu 15’000 Mal, eine unglaubliche Zahl! Wobei nur gut 100 Beben so stark sind, dass man sie überhaupt bemerkt. Im Museum kann man in einem Erdbebensimulator live miterleben, wie sich ein Beben der Stärke 6.6 anfühlt.
Eine zweite Ausstellung, die uns gut gefallen hat, widmet sich der Schlacht um Gallipoli aus dem Ersten Weltkrieg. Die Neuseeländer und die Australier kämpften hier Seite an Seite gegen das Osmanische Reich. Anhand von acht Neuseeländern, deren Schicksal dargestellt ist, wird dieses schlussendlich erfolglose Unterfangen beleuchtet. Alle acht Personen sind in Zusammenarbeit mit den Profis von The Weta Workshop unglaublich detailgetreu nachgebildet worden.
Weil wir die Ausstellung sehr gelungen fanden und das Wetter immer noch nicht besser war, besuchten wir am nächsten Tag gleich noch The Great War Exhibition, die sich ebenfalls mit dem Ersten Weltkrieg befasst.

Reinzoomen lohnt sich! Extrem detailgetreue Figur eines NZ Soldaten.

The Great War Exhibition

Diese Ausstellung findet man im Dominion Museum. Sie ist von Sir Peter Jackson, dem wohl berühmtesten Filmregisseur Neuseelands, gestaltet worden. Im Gegensatz zum Te Papa, wo nur Auszüge aus der Schlacht um Gallipoli dargestellt werden, behandelt diese Ausstellung jedoch generell die Geschichte des Ersten Weltkrieges. Sehr ausführlich wird dem Besucher erklärt, warum es überhaupt zum Ausbruch des Krieges gekommen ist und wie er sich anschliessend entwickelt hat. Viele Sammelstücke aus Sir Peter Jacksons Privatbesitz zeugen von der Zeit des Krieges, darunter beispielsweise Uniformen, Waffen oder Panzer. Obwohl wir sonst nicht allzu grosse Fans von Museen sind, fanden wir auch diese Ausstellung extrem gelungen. Man merkt deutlich, dass hier ein Profi am Werk war. Denn alle Räume sind – wie schon im Te Papa – wahnsinnig detailgetreu gestaltet.

Obwohl Wellington die Hauptstadt Neuseelands ist, leben nur gerade etwa 200’000 Leute hier. Das ist im Vergleich zu Auckland (gut 1.4 Millionen) natürlich unglaublich wenig. Trotzdem hat uns die Stadt sehr gut gefallen. Vermutlich gerade weil sie so überschaubar ist und wir vieles zu Fuss erkunden konnten.

Mit der Autofähre setzen wir nun über auf die Südinsel. Wir sind gespannt, was uns dort alles erwarten wird und ob wir tatsächlich so viele Ähnlichkeiten zur Schweiz feststellen können, wie wir schon von vielen Leuten gehört haben.

Zu Besuch in der Hauptstadt Neuseelands

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