Nach zwei intensiven Wochen voller Tennis in der Grossstadt Melbourne war es Zeit für einen Szenenwechsel. Tigerair brachte uns ganz in den Süden von Australien, auf die Insel Tasmanien. Für Patrick war es ein Besuch in der zweiten Heimat, denn seine Mutter ist in Tasmanien aufgewachsen. Da seine Tante und ihr Mann immer noch hier wohnen, durften wir uns bei ihnen einquartieren, was wir natürlich grossartig fanden 🙂

Hobart und Umgebung

In der ersten Woche mussten wir uns zuerst an die etwas kühleren Temperaturen gewöhnen. Nach konstant 30 Grad in Melbourne war es in Hobart doch um einiges frischer. In der Nacht sanken die Temperaturen gut und gerne unter zehn Grad, brrrr 🙂 Wenigstens konnten wir dadurch aber wieder einmal unsere warmen Kleider auspacken, die beinahe schon eine Staubschicht angesetzt hatten 😉
Dick eingepackt erkundeten wir an mehreren Tagen Hobart, den grössten Ort der Insel, mit gut 220’000 Einwohnern. Auf dem Programm stand zum Beispiel ein Besuch im MONA, dem Museum of Old and New Art. Obwohl wir beide nicht sonderlich kunstinteressiert sind, erfreuten wir uns an einigen interessanten Ausstellungsstücken. Genauso oft mussten wir jedoch auch die Stirn runzeln ab ziemlich kontroverser Kunst. Besonders gut in Erinnerung bleiben wird uns wohl die «Poo-Machine». Bei dieser Maschine kann man live dabei sein, wenn sie gefüttert wird und anschliessend die Nahrung in braunen Output umwandelt… Was für eine Schei… (wortwörtlich gesehen!) 😀
Da gefiel es uns im Tierpark Bonorong doch deutlich besser. Wir trafen dort zum ersten und leider auch zum letzten Mal auf den Tasmanischen Teufel. Mit keinem anderen Tier wird die Insel so stark in Verbindung gebracht wie mit ihm. In der Wildnis ist er jedoch schwer aufzustöbern. Die Tiere sind nachtaktiv und enorm scheu. Wir freuten uns daher sehr, dass wir ein paar Exemplare im Tierpark beobachten konnten. Daneben sahen wir auch noch viele weitere einheimische Tiere, zum Beispiel ein Echidna, einen Wombat oder eine Tigersnake. Ausserdem fütterten wir fleissig die unzähligen Känguruhs des Parks.
Patricks Tante und ihr Mann führten uns mit dem Auto zu vielen Sehenswürdigkeiten in der Umgebung von Hobart. Wir waren sehr froh darüber, denn ohne eigenes Fahrzeug ist es ziemlich umständlich, in Tasmanien herumzureisen. Züge gibt es keine und die Busse fahren auf dem «Land» nur sehr, sehr unregelmässig.
Im Südwesten von Hobart erkundeten wir den Tahune Airwalk. Auf dieser Stahlkonstruktion kann man gut 50 Meter über dem Boden zwischen den Bäumen herumspazieren und dabei eine tolle Aussicht auf den Huon River und die Baumwipfel geniessen. Wir machten auch einen Besuch in Richmond, wo sich eine der ältesten noch befahrbaren Brücken von Australien befindet. Für uns Europäer ist der Begriff «alt» hier jedoch eher fehl am Platz. Denn was die Australier in ihrem Land, das erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts im grösseren Stil besiedelt wurde, als alt bezeichnen, ist bei uns schon fast topmodern 😉
Nicht fehlen durfte bei der Erkundung von Hobart auch ein Ausflug auf den Mount Wellington, den Hausberg der Stadt. Vom Aussichtspunkt auf 1271 m.ü.M hat man einen wunderbaren Ausblick über Hobart und die Umgebung. Oder hätte man, wenn das Wetter gut wäre, was bei unserem Besuch leider nicht der Fall war. Aber einen Tag zu erwischen, an dem sich der Mount Wellington ohne Wolken präsentierte, erwies sich als eine unlösbare Aufgabe für uns 🙂
Immer samstags findet im Stadtteil Salamanca ein bekannter Markt statt, der tausende von Touristen anlockt. Die vielen Leute kommen zum grössten Teil von den riesigen Kreuzfahrtschiffen, die im Hafen von Hobart anlegen. Auch wir statteten dem Markt einen Besuch ab und kämpften uns durch die Massen.

Ein kleiner Teil des Hafens von Hobart
Eine Konstruktion vor dem MONA
Die Aussicht auf den Huon River vom Tahune Airwalk

Rundreise in Tasmanien

Nachdem wir uns langsam an die kühleren Temperaturen gewöhnt hatten, machten wir uns mit einem Mietauto auf den Weg, um weitere Orte Tasmaniens zu erkunden. Unser neuer 4-rädriger Begleiter führte uns während neun Tagen auf der Insel herum. Von Hobart aus ging es zuerst los Richtung Westen zum Mount Field National Park.

Mount Field National Park

Gut 80 Kilometer westlich von Hobart liegt der Mount Field Nationalpark. Bekannt ist er für zahlreiche Wasserfälle, darunter die Russell Falls. Daneben wachsen auch einige riesige Bäume dort. Neben einem rund 1.5 stündigen Spaziergang durch den Wald und an den Wasserfällen vorbei, umrundeten wir auch noch den Lake Dobson, einen sehr schönen See mit glasklarem Wasser.

Lake St. Clair National Park

Weiter ging unsere Reise Richtung Westen bis nach Queenstown. Unterwegs hielten wir beim Lake St. Clair National Park. Auch dort machten wir einen grösseren Spaziergang zur Platypus Bay. Die Hoffnung bestand, dort freilebende Schnabeltiere zu sehen. Die Chancen darauf sind aber leider sehr klein, denn auch diese Tiere sind – wie der Tasmanische Teufel – äusserst scheu und schreckhaft. Selbst viele Australier haben noch nie ein Tier in freier Wildbahn gesehen. Uns sollte es leider nicht anders ergehen. Obwohl wir genügend Zeit mitgebracht hatten, um am Ufer des Sees auszuharren, mussten wir unser Unterfangen nach einiger Zeit abbrechen. Schuld daran war jedoch nicht unsere mangelnde Geduld, sondern die Moskitos, welche ihre wahre Freude an uns hatten und eifrig unser Blut anzapften. Pech gehabt, wenn man den Moskitospray im Auto liegen lässt… 😉

Cradle Mountain National Park

Den wohl schönsten Ausflug in Tasmanien machten wir im Cradle Mountain National Park. Da wir für eine Nacht eine Unterkunft im Park gebucht hatten, konnten wir die Zeit dort voll auskosten. Mit dem Shuttle Bus fuhren wir zum Ronny Creek, von wo aus wir gut 1.5 Stunden lang auf den Marions Lookout hinaufwanderten. Dort oben genossen wir eine fantastische Aussicht auf den Dove Lake sowie die umliegenden Berge. Auf dem Rückweg kamen wir am Wombat Pool und am Lilla Lake vorbei, zwei hübschen kleinen Seen. Und weil wir noch nicht genug vom Wandern hatten, hängten wir noch den Dove Lake Circuit an, der uns in ca. zwei Stunden einmal um den Dove Lake herumführte und spektakuläre Ausblicke auf den Cradle Mountain bot.
Das Zusammentreffen mit einer Tigersnake sorgte für den Aufreger des Tages, gehört diese Schlange doch zu den giftigsten der Welt. Zum Glück war sie aber friedlich gesinnt, als die ahnungslose Andrea unbewusst knapp 20 cm neben ihr vorbeilief. Und Andreas Schreckensschrei hatte definitiv dafür gesorgt, dass sie sich schnell wieder ins Gebüsch zurückzog… Da war uns der Anblick der Wombats dann doch um einiges lieber. Wir entdeckten sie gegen Abend erneut am Ronny Creek. Die flauschigen Tiere liessen unser Herz höher schlagen, weil wir sie aus nächster Nähe ganz ungestört beim Fressen beobachten konnten. Später am Abend und am nächsten Tag sahen wir auch noch Echidnas, Wallabies und Pademelons (Minikänguruhs). Diesen Nationalpark können wir definitiv jedem empfehlen. Er bietet viele tolle Wanderwege in einem landschaftlich traumhaft schönen Gebiet. Deswegen gehört er für uns zu einem der Highlights auf unserer Reise in Australien.

Launceston

In der zweitgrössten Stadt Tasmaniens machten wir nur einen kleinen Zwischenstopp. Wir schlenderten ein bisschen durch den City Park und statteten dort den Japanischen Macaque Affen einen Besuch ab. Die etwa 30 Affen im Gehege waren gut aufgelegt und boten ihrem Publikum einiges an Unterhaltung. Leider wurden wir jedoch vom Regen ausgebremst, ein heftiger Wolkenbruch ergoss sich für den Rest des Tages über Launceston. Deswegen blieben wir in unserem Backpacker und planten die weiteren Tage unseres Inseltrips.

Bay of Fires

An der Ostküste Tasmaniens findet man die Bay of Fires. Der gesamte Küstenabschnitt trumpft mit schönen Stränden auf. Sie werden häufig von orangeroten Steinen gesäumt, die einen tollen Kontrast zum türkisblauen Wasser bilden. Anscheinend waren diese Steine allerdings – anders als man meinen könnte – nicht ausschlaggebend für den Namen der Küste. Die Bay of Fires heisst so, weil die Entdecker sie nach den Feuern der Aborigines benannten, welche jeweils nachts an den Stränden brannten. Nach mehreren Wochen Unterbruch stürzten wir uns hier endlich wieder einmal in die Fluten. Zwar war das Wasser deutlich kälter als noch in Westaustralien, dafür aber schön erfrischend und wunderbar klar.
Im Küstenort Bicheno, wo wir für zwei Nächte blieben, genossen wir den Strand und hatten Spass am Blowhole, das gleich ums Eck grosse Wasserfontänen in den Himmel schoss.

 

Freycinet National Park

Immer noch an der Ostküste Tasmaniens, aber etwas unterhalb der Bay of Fires, liegt der Freycinet National Park. Als wir vor sechs Jahren zum ersten Mal hier waren, meinte es das Wetter leider nicht allzu gut mit uns. Dunkle Regenwolken verfolgten uns damals auf dem Weg zur berühmten Wineglass Bay, einem der meistfotografierten Orte Tasmaniens. Dieses Jahr war das Wetter zwar immer noch nicht perfekt, aber wir wurden auf unserer Wanderung immerhin die meiste Zeit von Sonnenschein begleitet. Unsere elf Kilometer lange Tour führte uns zuerst, wie praktisch alle anderen Touristen, zu einem Aussichtspunkt, von welchem aus man eine tolle Sicht auf die Wineglass Bay hat. Anschliessend wanderten wir auf einem Rundkurs im Nationalpark herum und entdeckten weitere schöne Fleckchen. Auch dieser Nationalpark ist aus unserer Sicht unbedingt einen Besuch wert. Man sollte allerdings möglichst früh am Morgen starten, damit man sich die Wanderwege nicht mit all den anderen Touristen teilen muss, die im Laufe des Tages in grossen Scharen eintrudeln… 😉

Nach drei wunderschönen Wochen in Tasmanien ist es nun an der Zeit, wieder aufs Australische Festland zurückzukehren. Wir hätten zwar locker noch ein paar weitere Wochen bei Patricks Tante und ihrem Mann bleiben können, denn wir fühlten uns extrem wohl bei ihnen. Ausserdem hat uns Tasmanien immer mal wieder ein bisschen an die Schweiz erinnert. Vor allem beim Wandern fühlten wir uns den Schweizer Bergen jeweils ziemlich nahe. Aber unser Reisli soll uns ja doch auch noch an andere Orte hinführen, deswegen fliegen wir nun für kurze Zeit zurück nach Melbourne. Ein Freund, den wir auf einer Trekkingtour in Vietnam kennengelernt hatten, hat uns zu sich nach Hause eingeladen. Wir sind gespannt, was uns bei ihm alles erwarten wird und finden es toll, ihn wieder zu treffen. Anfangs März verabschieden wir uns dann aber für längere Zeit von Australien. Die nächste Destination auf unserer Reise wird Neuseeland sein, worauf wir uns auch schon riesig freuen 🙂

Zu Besuch auf der Teufelsinsel
Tagged on:                                                                                                                             

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.