Mit unserem Besuch aus der Schweiz, Patrick’s Schwester Tina und ihrem Freund Daniel, flogen wir von Lima aus nach Iquitos. Der Ort liegt im Nordosten von Peru und ist nur per Flugzeug oder per Schiff erreichbar. Von Iquitos aus machten wir eine dreitägige Tour ins Gebiet des Amazonas.

Ab in den Dschungel

Schon als wir in Iquitos aus dem Flugzeug stiegen, merkten wir, dass die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit deutlich höher waren als noch in Lima. Da kam uns die Klimaanlage im Hotel sehr gelegen. Am nächsten Tag ging es früh los. Mit einem Schiff fuhren wir knapp zwei Stunden den Amazonas hinunter zu unserer Lodge, die mitten im Dschungel lag. Dort konnten wir kurz einchecken und dann machten wir uns bereits auf einen ersten Spaziergang. Der Guide – gut ausgerüstet mit Machete – führte uns ein Stück weit in den Regenwald hinein. Er zeigte uns viele verschiedene Pflanzen, welche die Einheimischen zum Essen oder als Heilmittel brauchen. Daneben sahen wir auch ein paar Tukane, die hoch oben in den Bäumen herumflogen. Obwohl wir uns nicht allzu weit von der Lodge entfernten, hatten wir das Gefühl, bereits mitten im Nirgendwo zu sein. Ohne den Guide wären wir heillos verloren gewesen und hätten den Weg zurück ganz bestimmt nicht mehr gefunden.

Beste Unterhaltung auf der Affeninsel

Das Nachmittagsprogramm führte uns zur Isla de los Monos, zur Affeninsel. Nach einem kurzen Spaziergang erreichten wir eine Auffangstation für gerettete Affen. Die meisten von ihnen wurden auf den Schwarzmärkten zum Verkauf angeboten und konnten von dort befreit werden. In der Auffangstation werden sie aufgepäppelt, mit dem Ziel, sie später wieder in die Freiheit zu entlassen. Wir verbrachten eine sehr unterhaltsame Zeit mit den Affen. Es war äusserst amüsant, ihnen beim Herumtollen zuzuschauen. Nach einer Weile hatte es ein Weibchen besonders auf unsere beiden Männer abgesehen. Sie kletterte auf den beiden herum und begann, ihre Haare zu durchwühlen oder ihr Gesicht abzulecken. 😀 Wenig später entdeckte sie dann das Haargummi von Tina. Sie zog und zerrte an Tina’s Haaren, bis sie das Haargummi in den Händen hatte und wollte es kaum mehr hergeben. Wir hatten definitiv viel zu lachen auf dieser Insel. Ausserdem zeigte uns der Guide auch noch ein Faultier, das mit seinem Baby in einem Baum am Faulenzen war (was auch sonst…! 😉 ). Zu süss, diese beiden Tiere! Wir konnten uns kaum sattsehen.

 

Sonnenuntergang mit bissiger Überraschung

Wenig später mussten wir uns dann allerdings wieder von den Affen verabschieden. Denn langsam wurde es Abend und unser Guide wollte mit uns noch zu einer Sandbank fahren, um den Sonnenuntergang anzuschauen. Dort konnten wir ein erfrischendes Bad im Amazonas nehmen. Ja genau, in DEM Amazonas, in dem auch Piranhas und andere nicht ganz harmlose Geschöpfe hausen. Der Guide hatte uns allerdings versichert, dass das Baden völlig gefahrlos sei und wir uns keine Sorgen machen müssten. Wir freuten uns deswegen auf eine kleine Abkühlung und stürzten uns mutig in die Fluten. Da staunte Andrea nicht schlecht, als sie kurze Zeit später plötzlich einen heftigen Schmerz in ihrer Wade spürte. Es brannte sehr, sodass sie schnell wieder an Land schwamm. Und tatsächlich, da fehlte ein Stück Haut! Andrea war klammheimlich und heimtückisch von einem Fisch angegriffen und gebissen worden! Der Guide meinte allerdings, dass es kein Piranha, sondern ein anderer Fisch gewesen sei. Na toll, so viel zu „das Baden hier ist sicher…“! 😀 Der Sonnenuntergang war im Übrigen aber sehr, sehr schön.

Was da alles kreucht und fleucht…

Unser Programm an diesem ersten Tag war nach dem Baden bei Sonnenuntergang noch nicht beendet. Zurück in der Lodge, gingen wir auf einen letzten Spaziergang in den Regenwald. Dieses Mal war es allerdings bereits stockdunkel. Ausgerüstet mit Stirnlampen und natürlich der Machete, führte uns der Guide wieder ein Stück weit in den Dschungel hinein. Wir wurden vom ersten Moment an von einer grossen Schar Moskitos belagert, die von unserem Licht angezogen wurden und vor allem Freude an Patrick’s süssem Blut hatten. Da halfen leider selbst der Insektenspray und die lange Kleidung nicht allzu viel, und wir kehrten mit einigen Stichen zurück. Aber es war interessant, den Dschungel einmal bei Nacht zu erleben. Unglaublich, welche Tiere sich da plötzlich aus ihren Verstecken wagen. Wir sahen neben ganz vielen Insekten beispielsweise auch noch eine Schlange, viele Baumfrösche und einige Vogelspinnen. Somit ging ein ereignisreicher erster Tag vorbei und wir waren schon gespannt, was noch auf uns warten würde.

Auf der Suche nach den pinken Delfinen

Am nächsten Tag wurden wir früh geweckt. Ohne Frühstück ging es ab aufs Boot, um den Sonnenaufgang zu erleben. Anschliessend machten wir uns auf die Suche nach Flussdelfinen. Im Amazonas leben sowohl graue, als auch pinke Delfine. Obwohl wir ein Stück vom Boot entfernt einen entdeckten, konnten wir nicht mit Gewissheit sagen, ob es sich um einen grauen oder einen pinken handelte. Denn er zeigte sich nur ganz kurz und war dann leider wieder verschwunden. Aber immerhin hatten wir einen gesehen. 🙂 Später am Tag besuchten wir ein Zentrum, in welchem Schmetterlinge gezüchtet werden. Die Besucher können dort alle Stadien im Leben eines Schmetterlings erkunden. Vom Ei, über die Raupe, bis hin zur Larve und anschliessend dem geschlüpften Schmetterling findet man alles und kann die einzelnen Schritte genau betrachten. Wir fanden diesen Besuch ziemlich interessant, da alles sehr anschaulich gestaltet war und wir die Raupen und Schmetterlinge sogar in die Hand nehmen konnten. Auch erfuhren wir einige spannende Sachen, die wir bisher nicht gewusst hatten. Beispielsweise, dass gewisse Schmetterlingsarten nur gerade einen Monat lang leben.

Mit dem Kanu durch den Regenwald

Der Nachmittag des zweiten Tages war für eine ausgiebige Tour im Regenwald reserviert. Wir besuchten ein Naturschutzgebiet, das rund eine halbe Stunde flussaufwärts von unserer Lodge liegt. Dort marschierten wir zuerst über eine Stunde durch den Dschungel, bevor es mit einem Kanu weiterging. Die Wasserläufe waren teilweise extrem eng und führten nur wenig Wasser. Daher kamen wir kaum vorwärts und mussten ab und zu wieder aussteigen und zu Fuss weitergehen. Das war nicht weiter schlimm, aber da wir von unserem Guide wussten, dass in diesem Gebiet Anakondas und Alligatoren leben, waren wir schon froh, als wir jeweils wieder im Kanu sassen… Das Ziel der Kanufahrt war ein Aussichtsturm, von welchem wir einen super Blick auf den Regenwald hatten. Leider liessen sich praktisch keine Tiere blicken. Nur ein paar Affen entdeckten wir aus der Ferne, und auf dem Rückweg zeigte uns der Guide noch eine Vogelspinne, die er aus ihrem Nest lockte. Trotzdem war der Ausflug spannend und wir bekamen nochmals einen anderen Teil des Regenwaldes zu Gesicht.

 

 

Experten im Schiessen mit einem Blasrohr

Bevor wir uns am dritten Tag unserer Tour wieder auf den Rückweg nach Iquitos machten, standen noch zwei Aktivitäten auf dem Programm. Zuerst besuchten wir einen lokalen Stamm. Natürlich war die ganze Begegnung mit den Ureinwohnern sehr touristisch aufgezogen und nicht wahnsinnig authentisch. Aber wir fanden es spannend, diese Leute zu treffen und uns ein bisschen mit ihnen auszutauschen. Sie zeigten uns ein paar Tänze und im Anschluss durften wir uns im Schiessen mit einem Blasrohr üben. Das machte grossen Spass, auch wenn es ziemlich schwierig war und wir das Ziel zum Teil klar verfehlten. 😉 Das grösste Highlight dieser Begegnung war aber mit Abstand das kleine Baby-Faultier, mit welchem die Kinder des Stammes spielten. Die Versuchung war extrem gross, es heimlich einzustecken und nach Hause zu nehmen. 😀

Die Jagd auf Piranhas

Unsere letzte Aktivität auf dieser Tour sollte darüber entscheiden, ob es für uns am letzten Tag noch etwas zum Mittagessen gab oder nicht. Es ging nämlich ab zum Fischen! Aber wir wollten nicht einfach irgendwelche Fische fangen, sondern Piranhas. Doch dieses Unterfangen stellte sich klar schwieriger heraus, als es zu Beginn noch den Anschein gemacht hatte. Andrea erwischte zwar gleich mit ihrem ersten Versuch einen Piranha. Im Anschluss waren die Fische dann aber nicht mehr so bissig. Sie frassen zwar genüsslich unsere Köder ab der Angel, aber sich fangen lassen, das hatten sie definitiv nicht im Sinn. Unsere Ausbeute mit drei Fischen aus gefühlten 500 Versuchen war dann auch sehr, sehr bescheiden. Zum Glück hatten wir noch den Bootsführer dabei, der alleine etwa zehn Fische erwischte. Da zeigte sich, dass es wohl doch auf die jahrelange Erfahrung ankam. Aber da sowohl Tina, als auch Patrick und Andrea keine grossen Fischliebhaber sind, war es nicht allzu schlimm. Für Daniel fiel das Mittagessen trotzdem ziemlich üppig aus.

Zurück in die Zivilisation

Dank abwechslungsreichem Programm war unsere Tour im Amazonas sehr schnell vorbeigegangen. Mit dem Boot fuhren wir am Nachmittag des dritten Tages zurück nach Iquitos. Wir alle freuten uns wieder auf eine heisse Dusche und die Klimaanlage im Hotel, oder kurz gesagt, auf die Zivilisation. Diese drei Tage weit weg von der Komfortzone hatten uns jedoch aufgezeigt, dass auch ein solches Leben, zumindest für eine kurze Dauer, nicht allzu schlimm ist. Wir hatten zwar kein warmes Wasser, die Mahlzeiten waren eher eintönig und bescheiden, Strom gab es nur zwischen sechs und neun Uhr am Abend, und Handyempfang war blosses Wunschdenken, aber wir alle haben es überlebt! 🙂 Und man wird auf solchen Touren definitiv dankbarer für den Luxus, den man zu Hause hat.

Von Iquitos aus machen wir nun erneut einen Sprung in die Höhe. Unsere nächste Destination heisst Cusco. Dort werden wir uns ein paar Tage lang an die Bedingungen akklimatisieren, bevor dann eines der wohl grössten Abenteuer auf dieser Weltreise auf uns wartet: der Inka Trail zum Machu Picchu!

Welcome to the Jungle
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2 thoughts on “Welcome to the Jungle

  • 20/11/2018 at 20:03
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    Super interessant und spannend geschrieben!;-)
    Ganz liebe und warme Grüsse aus Chile
    Stefan und Barbara

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    • 20/11/2018 at 20:40
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      Danke vill, vill Mal ihr beide! 🙂 Ganz liebi Grüess zrugg uf Chile und gnüsseds wiiterhin ganz fescht! Andrea und Patrick

      Reply

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