Über sechs Wochen hatten wir bei zumeist sommerlich heissen Temperaturen in Brasilien verbracht. Das hatte vor allem die Kleiderauswahl erleichtert, denn häufig waren wir in der Badehose unterwegs gewesen. Nun sollte sich dies aber mit dem Flug nach Kolumbien wieder schlagartig ändern. Bogotá, die Hauptstadt des Landes, empfing uns nämlich mit kühlen, fast schon frostigen Temperaturen. Dies war jedoch nicht weiter erstaunlich, da Bogotá auf rund 2600 Metern über Meer liegt. Zeit also, wieder etwas tiefer im Rucksack zu wühlen und die Winterklamotten hervorzuholen. 😉

Zu Beginn ein bisschen Streetart

Wie in so vielen Städten zuvor, starteten wir auch unseren Aufenthalt in Bogotá mit einer Stadtführung. Dieses Mal handelte es sich aber nicht um eine klassische Free Walking Tour, sondern um eine Graffiti Tour. Die Tour führte uns zwar an einigen zentralen Punkten in der Altstadt von Bogotá vorbei, konzentrierte sich aber wirklich fast ausschliesslich auf die zahlreichen Graffitis und Streetart generell. Da unser Guide selber eine aktive Künstlerin ist, konnte sie natürlich ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern, was die Tour sehr authentisch und interessant machte. Besonders eindrücklich war, als sie uns von ihrer Verhaftung erzählte, die ein paar Monate zuvor passiert war. In Bogotá ist das unerlaubte Anbringen von Streetart – wie in so vielen anderen Städten der Welt – illegal. Somit müssen die Künstlerinnen und Künstler ständig auf der Hut sein. Unser Guide hatte ihre Verhaftung geistesgegenwärtig live ins Internet übertragen. Dadurch blieb sie von grösserem Schaden verschont. Aber anscheinend passieren immer wieder brutale Vorfälle und verhaftete Frauen werden nicht selten vergewaltigt. Wir waren froh, dass unser Guide glimpflich davon gekommen war und hoffen sehr, dass sich dieser Zustand in Zukunft bald bessern wird.

Mit dem Fahrrad durch die Stadt radeln

Zwei Tage nach der Graffiti Tour schlossen wir uns nochmals einer Tour durch Bogotá an. Dieses Mal waren wir jedoch mit dem Fahrrad unterwegs. Dies erlaubte natürlich eine leicht umfangreichere Route, da wir doch einiges schneller vorwärts kamen als zu Fuss. Die Tour war vor allem interessant, weil wir gleich zu Beginn einen kleinen Markt besuchten. Dort konnten wir einige Früchte degustieren, von denen wir vorher noch nie irgendetwas gehört hatten. Da landeten beispielsweise Lulo oder Yacon auf unserem Teller. Nicht alle Früchte schmeckten gleich gut, aber spannend war diese neue kulinarische Erfahrung allemal. 😉 Das zweite Highlight der Fahrradtour war, als wir den Nationalsport Kolumbiens, das Spiel Tejo, ausprobieren konnten. Ziel des Spiels ist es, den Tejo, eine eiserne, diskusförmige Scheibe, in einen Kreis zu werfen. Am Rande dieses Kreises sind kleine, dreieckige Tütchen ausgelegt. Sie enthalten Schwarzpulver und explodieren, wenn sie richtig getroffen werden. Obwohl unsere Gruppe einen schlechten Tag erwischte und mehr die Umgebung demolierte, als den Kreis zu treffen, machte das Spiel enorm Spass. Mit den letzten Versuchen gelangen dann doch auch noch zwei Treffer, die bei Andrea einen ziemlichen Schrecken auslösten, denn der Knall des Schwarzpulvers war brutal laut. 😀

 

Wenn halb Bogotá den gleichen Ausflug macht wie wir…

Einen der wohl grössten Fehler unserer bisherigen Weltreise begingen wir am Sonntag, dem zweiten Tag unseres Aufenthaltes in Bogotá. Zusammen mit einer Französin, die im gleichen Hostel logierte wie wir, wollten wir den Hausberg der Stadt, den Cerro de Monserrate, besuchen. Der 3152 Meter hohe Berg thront als markantes Wahrzeichen über Bogotá. Wer ein bisschen ins Schwitzen geraten möchte, kann sich zu Fuss auf den Weg zum Gipfel machen. Dies dauert aber eine geraume Weile, und es kommt leider immer wieder vor, dass Leute unterwegs ausgeraubt werden. Wie schon in Rio de Janeiro, beim Ausflug zur Christusstatue, wollten wir auch in Bogotá nichts riskieren und entschlossen uns daher für die bequeme Variante: die Zahnradbahn. Neben der Zahnradbahn würde auch noch eine Seilbahn auf den Monserrate hinauffahren. Aus uns unerfindlichen Gründen war der Betrieb an jenem besagten Sonntag allerdings eingestellt. Und somit vergrösserte sich auch unser Problem merklich: denn wir waren bei Weitem nicht die einzigen, die sich für diesen Ausflug entschieden hatten… Gefühlt halb Bogotá hatte sich gleichzeitig wie wir vor der Zahnradbahn versammelt, was dazu führte, dass wir schlussendlich fast zwei Stunden in der prallen Sonne anstehen mussten, bevor wir endlich in die Zahnradbahn einsteigen konnten. 🙁

Aus Fehlern lernt man (hoffentlich!)

Die Fahrt bis hinauf zum Gipfel dauerte dann nicht mehr allzu lange. Trotzdem hatten wir schon beim Aussteigen aus der Zahnradbahn ziemlich die Lust an weiteren grossen Entdeckungsreisen verloren. Wir sind einfach nicht geschaffen für solche Menschenmassen… Denn auch auf dem Monserrate war natürlich der Teufel los. Kolumbianer, soweit das Auge reichte. Dazwischen ein paar Touristen, die den gleichen Fehler begangen hatten wie wir. Dabei hätten wir, als mittlerweile schon etwas erfahrenere Reiseprofis, doch ahnen müssen, dass an einem Sonntag tendenziell auch viele Einheimische unterwegs sind. Dass dies jedoch ein solches Ausmass annehmen würde, damit hatten wir wirklich nicht gerechnet. Aber wie sagt man so schön, aus Fehlern lernt man, und auch wir kehrten an diesem Abend ein Stückchen weiser ins Hostel zurück. Ah, und der Vollständigkeit halber: die Aussicht auf die Stadt war gut, den Weg hinunter legten wir nach kurzem Überlegen zu Fuss zurück (sonst hätten wir wieder eine Ewigkeit für die Zahnradbahn anstehen müssen…) und wir wurden unterwegs glücklicherweise nicht ausgeraubt. Wenigstens etwas Positives! 🙂

Hier ist wirklich alles Gold, was glänzt

Ein bisschen Kultur ist bekanntlich nie verkehrt. Deswegen statteten wir einem der vielen Museen von Bogotá einen Besuch ab, obwohl wir sonst nicht die grössten Fans von Museen sind. Wir entschieden uns für das Museo del Oro, das Goldmuseum. Es hat einen sehr guten Ruf und gehört angeblich zu den besten Museen von ganz Kolumbien. Ausgestellt sind beispielsweise unglaublich viele Figuren und Gefässe, daneben zudem eine beachtliche Menge an Schmuck. Fast alle Exponate sind aus Gold. Da sie in verschiedensten zeitlichen Epochen entstanden sind, bekamen wir gleichzeitig auch einen kleinen Einblick in die geschichtliche und kulturelle Entwicklung Kolumbiens. Das Museum ist durchaus sehenswert. Ausserdem ist der Eintritt fast schon geschenkt (etwas mehr als 1 CHF, am Sonntag sogar umsonst – aber Achtung: viele Leute!). Somit ist es auch verkraftbar, wenn man nicht mehrere Stunden lang herumlaufen mag. 😉

Gut in Kolumbien angekommen

Die ersten vier Tage in Kolumbien gingen unglaublich schnell vorbei. Vor allem, da immer etwas los war und wir viele Ausflüge machten. Wenn wir nicht gerade auf einer Tour waren oder in einer Warteschlange anstehen mussten, liefen wir auch gerne einfach ein bisschen durch die Gassen von La Candelaria, dem historischen Zentrum von Bogotá. Auf der Plaza de Bolívar, Bogotás grösstem öffentlichem Platz, gab es zu jeder Tageszeit etwas zu sehen. Ebenso in der 7. Strasse, der Hauptstrasse, die quer durchs Zentrum verläuft. Kulinarisch gesehen konnten wir uns bereits ein bisschen an das neue Land gewöhnen, da wir einige landestypische Gerichte ausprobierten, beispielsweise einen Ajiaco. Diese dickflüssige Suppe besteht hauptsächlich aus drei verschiedenen Kartoffelsorten, Hühnchen und einem Maiskolben. Dazu serviert wird Reis, eine halbe Avocado sowie Kapern und etwas Sauerrahm, sehr lecker! Wir sind auf jeden Fall gut in Kolumbien angekommen und gespannt, was Medellín, unsere nächste Destination, so alles zu bieten hat.

 

Von der Badehose zum Winterpullover
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