Hanoi

Die Reise im Propellerflugzeug von Luang Prabang nach Hanoi verlief angenehm und war vor allem sehr schnell. Am Flughafen deckten wir uns noch mit einer vietnamesischen Sim-Karte ein und nahmen dann den öffentlichen Bus ins Zentrum zum Old Quarter, wo sich unser Hostel befand. Zu Fuss konnten wir von dort aus viele Plätze erreichen, unter anderem den Ho Hoan Kiem See, das „Herz von Hanoi“, wie uns ein Guide später erklärte. Weil gerade Wochenende war, hatten wir das Gefühl, halb Hanoi hatte sich um diesen See herum versammelt. Da waren Fotoshootings so weit das Auge reichte, es gab haufenweise Essensstände und Strassenkünstler, und die Kinder vergnügten sich mit dem letzten Schrei an elektronischen Spielsachen. Die Strassen um den See herum werden jedes Wochenende für den Verkehr gesperrt, was das Herumflanieren für uns einiges angenehmer machte. Denn sonst war auf den Strassen die Hölle los, unglaublich, wie viele Roller in der Gegend herumflitzten. Als Fussgänger musst du irgendwann einfach mal loslaufen und hoffen, dass dich niemand überfährt, aber sonst wartest du eine halbe Ewigkeit, um eine Strasse zu überqueren, denn freiwillig würde dich nie jemand rüber lassen und Ampeln interessieren die meisten auch nicht… J
Da der Leichnam von Ho Chi Minh während unseres Aufenthalts in Hanoi leider nicht in seinem Mausoleum stationiert war, sondern jeweils von September bis Dezember nach Russland verfrachtet wird, um sich dort ein paar Schönheitsoperationen zu unterziehen, ersparten wir uns den Besuch der ganzen Anlage. Stattdessen buchten wir eine Streetfood Walking Tour und lernten so ein paar interessante und zum Glück mehrheitlich auch schmackhafte vietnamesische Spezialitäten kennen. Der Guide führte uns gekonnt im Old Quarter von Hanoi herum und zeigte uns neben dem Essen auch noch einige Sehenswürdigkeiten. Die Tour hat sich auf jeden Fall gelohnt, wären wir sonst wohl kaum an den aufgesuchten Orten essen gegangen.
Hanoi ist definitiv eine Erfahrung wert, nur schon wegen des Essens, dem Old Quarter, dem vielen Verkehr und dem lebhaften Treiben am Wochenende rund um den See. Für uns waren das erneut völlig andere Eindrücke, obwohl wir ja schon eine Weile in Asien am Reisen sind. Als Ausgangspunkt für weitere Ausflüge in die Halong Bay oder nach Sa Pa und in den Süden von Vietnam ist die Stadt natürlich ebenfalls perfekt geeignet.

Streetfood Tour in Hanoi
St Joseph Cathedral

Halong Bay

Auf die Tour in die Halong Bay hatten wir uns sehr gefreut, ist diese doch sehr bekannt und gehört zu den Topattraktionen in Vietnam. Um ein bisschen was von der Bucht zu sehen, hatten wir uns für eine 2-tägige Tour mit einer Nacht auf einem Boot entschieden. Nach einer 4-stündigen Busfahrt wurden wir im Hafen von der Crew begrüsst und konnten unsere Kabine beziehen. Das Schiff fuhr mit uns zuerst in die Surprise Cave, eine grosse Höhle mit einigen Stalagmiten, Stalaktiten und einer schönen Aussicht auf die Halong Bay. Weiter ging es danach auf Titop Island. Dort konnte man gut zehn Minuten lang den Berg hinaufklettern und wurde mit einer weiteren tollen Aussicht auf die Bucht belohnt. Den Abend auf dem Boot verbrachten wir mit dem erfolglosen Versuch zu fischen und lustiger Karaoke mit vier Engländerinnen (wer sonst würde Karaoke singen? J). Am nächsten Tag besichtigten wir zuerst eine Pearl Farm, die leider mehr dazu gedacht ist, dass die Touristen teure Perlenketten und Ohrringe kaufen, und weniger dazu, sich über den Herstellungsprozess von Perlen zu informieren. Da wir nicht gerade über das nötige Budget verfügen, um im grossen Stile einzukaufen, war dieser Ausflug dann auch ziemlich schnell vorbei und eher etwas enttäuschend. Später konnten wir noch ein bisschen mit Kajaks herumfahren und für kurze Zeit auf dem Sonnendeck des Bootes relaxen, bis es dann aber leider auch schon wieder zurück in den Hafen und von dort mit dem Bus nach Hanoi ging.
Der ganze Ausflug war aus unserer Sicht mittelmässig. Die Halong Bay selber ist landschaftlich gesehen unglaublich schön, wird aber leider völlig von Touristen überrannt. Jeden Tag steuern über 500 Boote die Bucht an und hinterlassen ihre Spuren. Da jede Tour über einen perfekt durchgeplanten, strikten Zeitplan verfügt, hatten wir kaum die Möglichkeit, die Bay wirklich ausgiebig zu geniessen, was wir sehr schade fanden. Gerne hätten wir noch etwas länger diese eindrückliche Umgebung auf uns wirken lassen.

Sa Pa

Kaum zurück in Hanoi, ging es für uns am nächsten Tag auch schon frühmorgens weiter in den Nordwesten von Vietnam, nach Sa Pa. Die Region ist berühmt für seine vielen Reisterrassen. Die 6-stündige Fahrt im Bus war zum Glück ziemlich angenehm, weil wir Liegesitze hatten und dadurch noch ein bisschen weiterschlafen konnten. In Sa Pa blieben wir für 3 Tage und 2 Nächte, eine Nacht war ein Homestay, die andere verbrachten wir im Hotel. Gleich nach dem Mittagessen am ersten Tag starteten wir die erste Trekkingtour, unter der Leitung von Sua, unserem einheimischen Guide. Unsere 9-köpfige Gruppe wurde schon nach wenigen hundert Metern von genau so vielen einheimischen Frauen begleitet. Anscheinend hatten sie alle den gleichen Weg zu gehen wie wir, so zumindest dachten wir am Anfang. Schnell wurde allerdings klar, dass sie nichts anderes im Sinn hatten, als uns am Schluss des Treks ihre Souvenirs anzudrehen J Immerhin halfen sie uns zwischendurch immer mal wieder aus der Klemme, wenn wir im Matsch feststeckten oder nicht genau wussten, wie wir uns durch die aufgeweichten Pfade durchkämpfen sollten. Denn leider meinte es das Wetter nicht sehr gut mit uns. Es hatte schon einige Tage zuvor geregnet und ging auch so weiter. Dementsprechend waren alle Pfade matschig und rutschig, was das Trekking ziemlich erschwerte. Auch die Sicht war leider nicht bombastisch, es war neblig und stark bewölkt. Dazu waren die Temperaturen im Vergleich zu den letzten Wochen merklich gefallen: Da Sa Pa auf 1600 m.ü.M. liegt, bewegten sie sich um die 15 Grad, was sich nach so vielen Tagen mit Sonne und Hitze wie in einem Gefrierschrank anfühlte. Zum Glück hatten wir unsere wärmsten Kleider für die Tour eingepackt, trotzdem brauchten wir die Klimaanlage im Hotel doch tatsächlich als Heizung, so kalt war es im Zimmer 😀
Die Übernachtung im Homestay war wie schon in Myanmar eine tolle Erfahrung. Wir durften beim Zubereiten des Nachtessens mithelfen und verbrachten einen unterhaltsamen Abend mit unserer Trekking-Gruppe und viel Happy Water (was für ein Alkohol es genau war, wissen wir nicht, aber es schmeckte scheusslich J). Am zweiten Tag wanderten wir erneut durch die schöne Landschaft, besichtigten ein paar Wasserfälle und erfreuten uns an der einheimischen Tierwelt. Der dritte Tag war für die Erholung und weitere individuelle Erkundungen gedacht. Da es aber durchgehend nieselte, man kaum einen Meter weit sah, und es immer noch sehr, sehr kalt war, verbrachten wir die meiste Zeit im Hotelzimmer.
Am Nachmittag ging es dann mit dem gleichen Bus wieder zurück nach Hanoi, wie schön es doch war, wieder an der Wärme zu sein 😉 Als kleines Highlight beglückte uns das Backpacker Hostel, in welchem wir schon zuvor 3 Nächte verbracht hatten, mit einem kostenlosen Upgrade vom 12er-Schlag in ein grossartiges Doppelzimmer, wow!

Nach einer spannenden Zeit in Nordvietnam werden wir nun ein paar Tage an der Küste in Zentralvietnam verbringen und am Schluss auch noch den Süden dieses spannenden und abwechslungsreichen Landes bereisen.

Vietnam Part 1 – Der Norden
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