Ein neues Land und sogar einen neuen Kontinenten zu bereisen, ist zu Beginn nie ganz einfach. So empfinden es zumindest wir beide. Es dauert eine Weile, bis man sich an die neuen Umstände gewöhnt hat. Umso glücklicher waren wir, dass unser Start in Peru bisher so reibungslos verlaufen war. Nachdem wir einige Tage in der Hauptstadt Lima verbracht, sowie eine kleine Tour in den Süden von Peru gemacht hatten, verschoben wir uns für einige Tage in den Norden des Landes. Mit einem Bus fuhren wir von Lima bis nach Huaraz. Die Stadt liegt auf etwa 3100 Metern über Meer und dient vielen Touristen als Ausgangspunkt für Wanderungen in den peruanischen Anden.

Einen ganzen Tag im Bus…

Die Anreise von Lima nach Huaraz dauerte fast einen ganzen Tag. Mit dem Busunternehmen Cruz del Sur ging es morgens um 09:30 Uhr in Lima los, und kurz nach 18 Uhr trafen wir in Huaraz ein. Wir verbrachten also praktisch den ganzen Tag im Bus. Da dies jedoch nicht unsere erste längere Busfahrt war, wussten wir ein wenig, auf was wir uns einstellen mussten. Aber über acht Stunden im Bus sind auch für uns nach wie vor kein Zuckerschlecken. Deswegen waren wir froh, als wir nach einer gefühlten Ewigkeit endlich in Huaraz ankamen. Schon beim Aussteigen aus dem Bus fühlten sich unsere Beine etwas wackelig an. Wir dachten uns jedoch noch nicht allzu viel dabei. Erst als wir, mit dem ganzen Gepäck auf dem Rücken, die ersten Schritte machten, merkten wir, dass doch nicht alles so war wie gewohnt. Der Kopf fühlte sich leicht schwindlig an, das Herz pochte überraschend schnell, und wir kamen vor allem innert Kürze komplett ausser Atem. Auf dem 10-minütigen Weg zum Hotel schnauften wir, wie wenn wir gerade eben einen Marathon zurückgelegt hätten. Willkommen auf 3100 Metern über Meer! 😀 Wir hätten also nicht gedacht, dass wir diesen Höhenunterschied so schnell und so gut zu spüren bekommen würden. Da war es also definitiv die richtige Entscheidung gewesen, für den nächsten Tag noch kein Programm auf die Beine zu stellen, sondern unseren Körpern genügend Zeit für die Akklimatisation zu geben.

Da bleibt einem der Atem weg!

Und zwar wortwörtlich! Nach etwas mehr als einem Tag Akklimatisierung in Huaraz führte uns der erste Ausflug zum Gletscher Pastoruri. Die Strecke, die wir dorthin zu Fuss bewältigen mussten, war zwar nicht sonderlich lange. Nur rund 40 Minuten sollte der Spaziergang vom Busparkplatz zum Gletscher dauern. Das Problem lag aber auch nicht an der Strecke, sondern an der Höhe, auf welcher wir uns befanden. Denn der Gletscher liegt auf über 5200 Metern über Meer! So blieb uns auf diesem Spaziergang mehr als ein Mal die Luft weg, vor allem, wenn es bergauf ging. Immer wieder mussten wir kleine Pausen einlegen, weil es im Kopf unangenehm pochte. Als wir dann beim Gletscher angekommen waren, sahen wir jedoch, dass sich unsere Anstrengungen immerhin gelohnt hatten. Man kann ganz nahe an den Gletscher hinlaufen und ihn bestaunen. Leider sind sich Forscher jedoch darüber einig, dass er in den nächsten fünf bis zehn Jahren wohl der Klimaerwärmung zum Opfer fallen wird. Umso schöner, dass wir ihn jetzt noch bewundern konnten. Und wer weiss, vielleicht täuschen sich die Forscher ja auch, oder die Klimaerwärmung kann doch noch irgendwie abgebremst werden. Wir hoffen es auf jeden Fall sehr.

Die wohl härteste Wanderung unseres Lebens

Der Ausflug zum Gletscher Pastoruri war bereits eindrücklich, aber auch sehr anstrengend gewesen. Wir hätten nicht gedacht, dass wir die Höhe so gut merken würden. Deswegen waren wir zuerst auch nicht sicher, ob wir noch eine zweite Wanderung machen sollten. Aber die Bilder der Laguna 69 sahen so schön aus, dass wir entschieden, uns dem 7.5 km langen Weg dorthin zu stellen. Wieder wurden wir zuerst mit einem Bus zum Ausgangspunkt gefahren. Dieses Mal lag das Ziel auf 4600 Metern über Meer. Das war im Vergleich zum Gletscher ja schon beinahe ein Kinderspiel. 😉 Für den Aufstieg zur Lagune wurde uns eine Dauer von ca. drei Stunden angegeben. Ausgerüstet mit ganz vielen Getränken und ein paar Knabbereien, nahmen wir die Strecke guten Mutes in Angriff. Der Start war zum Glück noch human, es ging längere Zeit nur leicht bergauf. Doch die steileren Stücke sollten noch kommen. Und mit ihnen auch wieder das altbekannte Pochen im Kopf, das uns schon auf dem Weg zum Gletscher begleitet hatte. So blieb uns auch hier nichts anderes übrig, als immer wieder Pausen einzulegen. Irgendwann hatten wir einen Wegweiser erreicht, der sagte, dass es noch einen Kilometer bis zur Lagune sei. Wir hatten es also beinahe geschafft. Doch was nun folgte, werden wir wohl nie mehr vergessen… Die definitiv härteste Wanderung unseres Lebens! Da der Weg nun ziemlich steil nach oben führte, mussten wir unser Tempo nochmals massiv drosseln. Trotzdem wurde das Pochen im Kopf beinahe unerträglich. Wir kamen so langsam vorwärts, dass uns eine Schildkröte in diesem Moment wohl überholt hätte… 😀 Noch nie mussten wir so viele Pausen einlegen wie auf diesem letzten Kilometer zur Lagune. So brauchten wir auch fast eine ganze Stunde für das letzte Stück des Weges, unfassbar!

Was für ein schönes Fleckchen Natur!

Als wir dann aber, völlig abgekämpft und erschöpft, auf die Zielgerade einbogen, konnten wir die Laguna 69 schon von Weitem leuchten sehen. Ihr türkisblaues Wasser zog uns magisch an und versetzte uns in Staunen. Wow, was für ein Anblick! Elegant lag sie da, umgeben von hohen, schneebedeckten Gipfeln. Schnell waren die Strapazen des Aufstieges vergessen. Wir genossen den Anblick der Lagune und waren froh, dass wir uns für diese Wanderung entschieden hatten. Der Rückweg war dann zum Glück einiges leichter als noch der Aufstieg. Aber wir legten trotzdem immer wieder Pausen ein, weil das Pochen im Kopf einfach nicht komplett zurückgehen wollte. Als wir den Bus erreicht hatten, waren wir ziemlich ausgelaugt. Auch wenn wir schon deutlich längere Wanderungen gemacht hatten, als diejenige zur Laguna 69, war diese mit Abstand die härteste gewesen. Absolut krass, wie sehr sich die Höhe bemerkbar gemacht hatte. Und das, obwohl wir im Voraus fleissig Coca-Tee getrunken und Andrea sogar noch Medikamente gegen die Höhenkrankheit genommen hatte. So waren wir nicht unglücklich darüber, als wir wieder zurück in Huaraz waren und uns am nächsten Tag ohne Programm noch etwas erholen konnten, bevor wir dann über Nacht mit dem Bus wieder nach Lima zurückfuhren.

  

So hoch hinaus wie nie zuvor…
Tagged on:                                             

4 thoughts on “So hoch hinaus wie nie zuvor…

  • 24/10/2018 at 21:53
    Permalink

    Hey sooo schön. ?Passend guet uf eu uf. Au ich han en Druck im Chopf gha, aber 420 m unter dem Meeresspiegel., am toten Meer. ?
    Ganz liebe Grüess vo üs üs Rafz.

    Reply
    • 25/10/2018 at 03:43
      Permalink

      Danke vill Mal Hanne 🙂 Ja, üs hätts au meeega gfalle, ä fantastischi Landschaft! Haha ächt?!? So guet 😀 Mir sind jetzt scho gspannt, wies üs dänn in Cusco und uf äm Inka Trail wird ergu mit äm Chopfweh… Ganz liebi Grüess zrugg uf Rafz

      Reply
  • 24/10/2018 at 22:45
    Permalink

    Wow ganz schön, erinnert mich an meine 7tägige Wanderung nach Machu Picchu, hab mich aber einen Monat in Cusco akklimatisiert! Genießt eines der schönsten Länder in der Gegend. Noch schöner ist Bolivia und da unbedingt den Salar de Uyuni in 3tg durchqueren! Hammer!

    Reply
    • 25/10/2018 at 03:40
      Permalink

      Hey Bösi, wow 7 Täg wandere zum Machu Picchu, nöd schlächt :-). Mir wärded „nur“ ä 4 tägigi Wanderig (Inca Trail) mache, aber wird sicher au mega schön. Danke, das wärdemer no öppe 3 Wuche mache und nachher gömmer dänn uf Bolivie. Cool, dämfall chömer eus scho umso meh druf freue 🙂 Salar de Uyuni wämär natürli au mache 😀

      Reply

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.