Unsere für den Moment letzten Tage in Australien verbrachten wir in einer Kleinstadt namens Echuca. Wer noch nie davon gehört hat, keine Angst. Uns ging es vor ein paar Monaten genau gleich 🙂 Wir wären vermutlich auch nie in Echuca gelandet, hätten wir in Vietnam nicht Mr. Kevin kennengelernt, der mit uns in Sapa auf der gleichen Trekkingtour war. Obwohl wir nur zwei Tage lang mit ihm unterwegs waren, lud er uns am Schluss zu sich nach Hause ein, was wir sehr nett fanden. Besonders die Erwähnung seines Pools liess unser Herz ein bisschen höher schlagen, und so entschieden wir nun einige Monate später, seiner Einladung zu folgen.

Anreise in die Provinz

Nachdem uns Jetstar von Hobart zurück nach Melbourne gebracht hatte, mussten wir vom Flughafen aus noch knapp drei Stunden mit dem Bus Richtung Norden fahren. Wir hatten diesen Reiseweg sorgfältig recherchiert und waren davon ausgegangen, dass es sich um eine normale Buslinie handelt, bei der man die Tickets direkt im Bus beim Chauffeur oder an einem Ticketschalter lösen kann. Als wir bei der Busstation waren und uns bei anderen Reisenden, die schon dort standen, nochmals wegen der Tickets erkundeten, schüttelten diese allerdings den Kopf und meinten, man müsse seinen Sitzplatz im Voraus reservieren. Der Bus funktioniere ein bisschen wie ein Sammeltaxi und halte nicht überall an. Leicht nervös versuchte Patrick deshalb sofort, das zuständige Büro zu erreichen, welches uns aber eine Absage erteilte. Wir waren natürlich viel zu spät dran mit unserem Reservierungsversuch, denn der Bus fuhr bereits in einer halben Stunde… Der Beamte am Telefon hatte immerhin noch einen Rat bereit: wir sollten uns direkt an den Chauffeur wenden. Wenn dieser noch Sitze frei habe, nehme er ab und zu auch Reisende ohne Reservation mit. Gesagt, getan. Mit Plan B im Hinterkopf, die Nacht sonst am Flughafen zu verbringen (da war doch schon mal was mit einer Nacht am Flughafen in Melbourne… :-)), schilderten wir dem Buschauffeur unser Problem. Als er lachend antwortete: «Na los, rein mit euch», fiel uns ein ziemlich grosser Stein vom Herzen. Doch es wurde noch besser. Als Andrea fragte, wie viel wir zahlen müssten, meinte er nur: «Merry Christmas…». Wir konnten unser Glück kaum fassen! Sehr, sehr erleichtert nahmen wir deshalb wie geplant die Fahrt nach Echuca in Angriff und waren einmal mehr beeindruckt ab der Gastfreundlichkeit der Australier.

Grampians National Park

Gross Zeit, Echuca zu erkunden, blieb uns nach unserer Ankunft allerdings gar nicht, denn Mr. Kevin nahm uns über ein verlängertes Wochenende mit auf eine kleine Rundreise durch den Bundesstaat Victoria. Das erste Ziel war Halls Gap im Grampians National Park. Dort konnten wir bei Jimmie, Mr. Kevins Schwager, wohnen. Wir hatten zuvor noch nie von diesem Nationalpark gehört, aber er muss vor allem bei Wanderern und Mountainbikern beliebt sein. Auch wir machten eine mehrstündige Wanderung den Berg hinauf zu den Pinnacles. Dort oben hatten wir eine grossartige Aussicht auf die Umgebung. Es war aber leider auch extrem windig, sodass wir uns schon bald wieder auf den Rückweg machten. Gegen Abend erkundeten wir noch ein bisschen Halls Gap. Allzu weit kamen wir aber gar nicht, denn schon beim Sportplatz entdeckten wir gegen 30 Känguruhs, die dort alle friedlich den Rasen abgrasten und sich auch nicht von Touristen dabei stören liessen.

 

Great Ocean Road

Der Ausflug zum Grampians National Park hatte uns bereits gut gefallen, aber das grosse Highlight dieses Wochenendtrips wartete noch auf uns. Am Sonntag ging es nämlich zur berühmten Great Ocean Road. Bereits vor sechs Jahren, als wir schon einmal in Melbourne waren, hatten wir einen Ausflug dorthin unternommen und waren begeistert von diesem spektakulären Küstenabschnitt. Umso erfreuter waren wir nun, dass wir Sehenswürdigkeiten wie die London Bridge, die Bay of Island, die 12 Apostels oder Loch Ard Gorge nochmals erkunden durften. Die Landschaft war immer noch unbeschreiblich schön. Allerdings scheint sich der Besucherandrang seit unserem letzten Besuch, vor allem aus dem asiatischen Raum, verhundertfacht zu haben. Unglaublich, wie viele Touristen mit ihren Selfiesticks in der Gegend herumrannten, manchmal trauten wir unseren Augen kaum 🙂 Wir versuchten deswegen, die Landschaft ein bisschen abseits der Touristenpfade zu geniessen und machten mehrere kleine Spaziergänge fernab des Gedränges. Dies hatte zur Folge, dass wir auf einem Pfad doch prompt wieder einer Schlange über den Weg liefen. Dieses Mal sahen wir sie aber früh genug und wurden nicht wieder so fest erschreckt wie noch in Tasmanien 😉

Geelong

Von der Great Ocean Road aus wäre es nicht wirklich realistisch gewesen, noch am gleichen Tag wieder zurück nach Echuca zu fahren. Die Australier sind sich zwar an lange Autofahrten gewöhnt. Für Distanzen bis zu 500 Kilometer haben sie nur ein müdes Lächeln übrig, denn das ist bei ihnen «gleich ums Eck». Aber da wir bereits einen ereignisreichen Tag hinter uns hatten, waren wir froh, dass wir einen Zwischenhalt in Portarlington einlegten. Mr. Kevins Freundin hat dort ein Haus, welches wir für die Nacht brauchen durften. Am nächsten Tag erkundeten wir daher noch ein bisschen die Umgebung rund um Portarlington und legten einen grösseren Halt in Geelong ein. Dieser Ort ist nach Melbourne die zweitgrösste Stadt in Victoria. Die Uferpromenade von Geelong ist sehr schön gestaltet. Auffallend sind vor allem die lustig bemalten Schiffspoller, die zahlreich entlang des Hafenbeckens zu finden sind. Alles in allem ein wirklich hübscher Ort, den wir vorher überhaupt nicht gekannt hatten.
Weiter führte uns unsere Reise anschliessend nach Kyneton. Wir besuchten Mr. Kevins Freundin, die dort noch ein zweites Haus besitzt. Dies war dann allerdings auch der letzte Halt unseres Weekendtrips, denn am nächsten Tag ging es wieder zurück nach Echuca.

Echuca

Wie wir eingangs schon erwähnt haben, ist Echuca alles andere als weltbekannt. Wir hatten deswegen auch keine grossen Erwartungen an das Städtchen. Trotzdem waren wir positiv überrascht, als wir den Ort mit dem Fahrrad erkundeten. Neben dem sehenswerten alten Hafen und den Dampfschiffen auf dem Murray River entdeckten wir auch noch weitere hübsche Gebäude aus dem frühen 20. Jahrhundert, die immer noch gut erhalten sind. Damit war es dann aber auch schon getan. Die restliche Zeit verbrachten wir am Pool von Mr. Kevins Haus und genossen das warme, sonnige Wetter.

Und nun, wie weiter?

Nach bald drei Monaten in Australien ist es nun definitiv an der Zeit, diesem traumhaften Land für einige Zeit den Rücken zu kehren. Unser nächstes Reiseziel heisst Neuseeland! Wir werden dort gut sieben Wochen lang die Nord- und die Südinsel erkunden und freuen uns schon riesig darauf. Aaaber, so unglaublich es auch tönt, wir kommen wieder… 😉 Denn nach Neuseeland werden wir nochmals gut einen Monat lang die Ostküste Australiens unsicher machen, bevor wir dann endgültig den Kontinenten wechseln… 🙂

Rundreise im Bundesstaat Victoria
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