Mit Bruce Springsteens bekanntem Lied «Streets of Philadelphia» im Hinterkopf, freuten wir uns auf fünf Tage in der sechstgrössten Stadt der Vereinigten Staaten. Nach Boston ging es also direkt weiter in die nächste geschichtsträchtige Stadt der USA. Während in Boston die Amerikanische Revolution im 18. Jahrhundert ihren Anfang genommen hatte, erlangte Philadelphia vor allem Berühmtheit, weil die Stadt von 1790 bis 1800 sogar die Hauptstadt der USA gewesen war. Sie war zu dieser Zeit die grösste Stadt der USA und nach London die zweitgrösste englischsprachige Stadt der Welt. In Philadelphia wurde die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung verkündet sowie die Verfassung beschlossen. Glücklicherweise kann man heute immer noch ganz viele dieser historischen Stätten besuchen, was wir ausgiebig gemacht haben.

Unterwegs in Old City

Während unseres Aufenthalts in Philadelphia übernachteten wir in einem Hostel. Es lag im Stadtteil «Old City», in welchem wir gleich am ersten Tag auf einen grossen Erkundungsspaziergang gingen. Wir waren aber nicht nur zu zweit unterwegs, sondern sogar zu dritt. Denn wir hatten relativ spontan Besuch von einer Freundin von Andrea erhalten. Sie wohnt seit zwei Jahren in Minneapolis und hatte sich für einen Kurztrip nach Philadelphia entschieden. Mit Sarah zusammen steuerten wir zuerst die Elfreth’s Alley an. Dabei handelt es sich um die älteste bewohnte Strasse der USA. Die sehr gepflegten Häuser dort sind seit mehr als 300 Jahren dauerhaft bewohnt. Anschliessend ging unser Spaziergang weiter zum Betsy Ross House. Betsy Ross soll einer Legende nach Ende des 18. Jahrhunderts die erste Amerikanische Flagge genäht haben. Diese Information ist zwar nicht über alle Zweifel erhalten, aber sie reicht den Amerikanern für ein Museum am entsprechenden Ort. Ebenfalls in diesem Viertel anzutreffen sind das Grab von Benjamin Franklin, einem der Gründerväter der Vereinigten Staaten, sowie das älteste Postamt der USA.

Amerikanische Geschichte hautnah

Bevor wir uns für eine Reise nach Philadelphia entschieden hatten, war uns nicht bewusst gewesen, wie geschichtsträchtig die Stadt überhaupt ist. Erst als wir dann ein paar Recherchen anstellten, merkten wir, dass Philadelphia vor etwas mehr als 200 Jahren eine überaus wichtige Rolle in der Amerikanischen Geschichte gespielt hat. In der Independence Hall traf sich die damalige Regierung, um über die Verfassung zu diskutieren und diese aufzusetzen. Auch die Unabhängigkeitserklärung wurde 1776 in Philadelphia beschlossen und verkündet. Ausserdem wurde der erste Amerikanische Präsident, George Washington, dort in sein Amt berufen. Heute kann man die Independence Hall und weitere historische Gebäude auf dem gleichen Areal im Rahmen von kostenlosen Führungen besuchen. Die Führungen waren aus unserer Sicht interessant gestaltet und wir lernten viel Neues über die Amerikanische Geschichte. Zudem konnten wir in einem Gebäude gleich gegenüber der Independence Hall die Liberty Bell besichtigen. Diese Glocke reiste früher als Symbol der Unabhängigkeitskriege durchs Land und hing dann später in der Independence Hall. Mit der Liberty Bell und der Independence Hall kann man in Philadelphia heutzutage also zwei sehr wichtige symbolische Stätten der Amerikanischen Geschichte besuchen.

Viel Liebe und eine berühmte Treppe

Philadelphia wird umgangssprachlich auch «City of Brotherly Love» genannt. Das hat seinen Ursprung in der griechischen Übersetzung des Namens, der aus philía = Liebe und adelphós = Bruder zusammengesetzt ist. Ob die Herkunft des Namens ausschlaggebend war für die bekannte LOVE Skulptur, die es in Philly hat, wissen wir jedoch nicht. Aber man findet sie auf der John F. Kennedy Plaza, die auch LOVE-Park genannt wird. In der Nähe dieser Figur liegt ausserdem die im viktorianischen Stil erbaute City Hall. Der Uhrenturm ist 167 Meter hoch und damit das höchste gemauerte Gebäude der Welt. Für uns war die City Hall das wohl schönste Gebäude von ganz Philadelphia.

Wenn man den Benjamin Franklin Parkway von der City Hall aus weiter entlang läuft, erreicht man irgendwann das Philadelphia Museum of Art. Dort hinauf führt eine ganz berühmte Treppe. Denn Sylvester Stallone rannte sie in seinen Rocky Balboa Filmen immer mal wieder während seines Trainings hinauf. Sehr bekannt ist die Szene, in welcher er oben an der Treppe ankommt, einen Blick zurück auf Philadelphia wirft und dazu die Fäuste in den Himmel streckt. Viele Touristen (darunter natürlich auch wir 😉 ) ahmen diese Szene mittlerweile nach. Ausserdem findet man auch eine grosse Rockystatue neben der Treppe.

Die Stadt der Cheesesteaks

In Philadelphia schauten wir uns nicht nur ganz viele Sehenswürdigkeiten an, sondern hatten auch noch kulinarisch eine Aufgabe zu bewältigen. Wir wollten unbedingt das Restaurant mit dem besten Philadelphia Cheesesteak finden. Dabei handelt es sich um ein Sandwichbrot, das mit dünngeschnittenem oder gehacktem Rindfleisch belegt wird. Zudem wird es meist mit Zwiebeln serviert, je nach Variante auch noch mit weiteren Zutaten. Nicht fehlen darf natürlich der Käse, der aufs Brot draufgelegt, oder über das Fleisch gegossen wird, je nachdem, für welche Käsesorte man sich entscheidet. Schlussendlich sieht das Cheesesteak ähnlich aus wie ein Hotdog, nur hat es anstatt eines Würstchens eben Rindfleisch drin. Um den Titel des besten Cheesesteaks von Philadelphia kämpfen gleich mehrere Restaurants. Ob nun bei Geno’s, bei Jim’s, bei Sonny’s oder bei Pat’s, würde man vier Leute fragen, welches Restaurant das beste Cheesesteak serviert, man würde wohl vier verschiedene Antworten bekommen. Die Konsequenz lag deshalb auf der Hand: wir mussten sie einfach alle probieren! 😀 Vor allem Patrick war diesem Vorhaben gegenüber natürlich gar nicht abgeneigt. 😉 Auch wenn wir zwar gewisse Präferenzen entwickelt haben, können wir uns nicht auf einen Sieger festlegen. Alle Cheesesteaks schmeckten lecker. Wer diese Art von Essen mag und irgendwann einmal in Philadelphia zu Besuch ist, sollte deswegen auf jeden Fall einmal eines probieren.

Und nun wartet Donald Trump auf uns…

… oder zumindest sein Zuhause, das Weisse Haus. Die letzte Grossstadt an der US-Ostküste, die wir noch besuchen werden, wird nämlich die Hauptstadt Washington D.C. sein. Wie schon in Boston und in Philadelphia werden wir fünf Tage lang die Stadt unsicher machen. Der Zufall will es, dass wir schon wieder ein bekanntes Gesicht treffen werden. Denn eine Kollegin aus Eglisau arbeitet im Moment gerade dort. Wir sind deshalb sehr gespannt, was Washington D.C. alles zu bieten hat und freuen uns aufs Wiedersehen mit unserer Kollegin Anna.

On the streets of Philadelphia

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