Keine Angst, dies ist kein Blogbeitrag über Harry Potter. Aber es gibt neben Harry Potters grösstem Widersacher Lord Voldemort auch noch einen zweiten Mann, dessen Name nicht so gerne in der Öffentlichkeit ausgesprochen wird. Vor allem nicht von den Einwohnerinnen und Einwohnern Medellíns. Wer in den letzten Jahren auf Netflix aktiv war und sich dort die Serie „Narcos“ angeschaut hat, weiss vielleicht, von wem die Rede ist. Genau, von Pablo Escobar, einem der mächtigsten und brutalsten Drogenbossen, welche die Welt bisher gesehen hat. Escobar wuchs in der Nähe von Medellín auf. Er prägte die Stadt nachhaltig mit seinen Machenschaften rund um das Medellín-Kartell. Auch seinen Tod fand er 1993 schliesslich in der zweitgrössten Stadt Kolumbiens. Da wir von Freunden und anderen Reisenden gehört hatten, dass ihnen Medellín gut gefallen hatte, entschlossen wir uns, zehn Tage in der Stadt zu bleiben.

Hostelleben auf hohem Niveau

Nach über 16 Monaten auf Reisen wissen wir mittlerweile zwar mehr oder weniger, welche Art von Unterkünften uns zusagt und welche eher nicht. Trotzdem bleibt es häufig eine Herausforderung, die richtige Auswahl zu treffen. Für den Aufenthalt in Medellín hatten wir uns nach einiger Recherche für das Los Patios Hostal entschieden. Wir waren mit der Wahl unserer Unterkunft absolut zufrieden. Das Hostel ist zwar enorm gross und beherbergt eine Menge anderer Gäste, verfügt aber über eine super Infrastruktur und bietet jeden Tag viele Aktivitäten an. Die gut ausgestattete Küche erlaubte es uns sogar, endlich wieder einmal selber zu kochen. Das war in Südamerika bisher noch nicht allzu oft der Fall gewesen. Patrick konnte sich im kleinen Fitnesscenter auf dem Dach vergnügen, während Andrea ihre erste Yogalektion besuchte. Auch die Lage des Hostels war perfekt, da es sich mitten im Stadtteil „El Poblado“ befindet. In diesem Stadtteil kommen so gut wie alle Touristen unter. Er wird deswegen gerne auch als „Gringolandia“ bezeichnet. In der näheren Umgebung unseres Hostels gab es eine Fülle an wirklich guten Restaurants und auch die Metro war nur gerade zehn Gehminuten entfernt. Das grösste Highlight war aber ganz klar die nahegelegene Swissbakery, in welcher wir einen Zopf kaufen konnten, der fast so gut schmeckte wie zu Hause. 😉

Eine weitere Stadtführung…

Auf Anraten von Freunden entschieden wir uns, auch den Aufenthalt in Medellín mit einer Free Walking Tour zu beginnen. Die Tour war enorm professionell organisiert. Sie führte uns an verschiedene Plätze im Zentrum von Medellín. Wir legten beispielsweise Stopps bei der alten Eisenbahnstation ein, beim Parque de las luces und beim Palacio Nacional, bei welchem es sich allerdings nicht um den Präsidentenpalast, sondern um ein Einkaufszentrum handelt. Auch ein Halt auf der Plaza Botero durfte nicht fehlen. Auf diesem Platz findet man viele Skulpturen von Fernando Botero, einem Künstler aus Medellín. Die Tour war wirklich sehr interessant und informativ. Unser Tourguide versorgte uns mit vielen Informationen zu Medellín, seinen Einwohnern und dem Wandel, den die Stadt in den letzten Jahren durchlaufen hat. Während Medellín früher vor allem für den Drogenhandel rund um Pablo Escobars Drogenkartell bekannt war, hat die Stadt sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Sie wurde 2012 vom Wall Street Journal sogar zur innovativsten Stadt der Welt ernannt.

Mit der Rolltreppe den Hügel hinauf

Der Stadtteil „Comuna 13“ gehörte in den 80er und 90er Jahren, der Blütezeit des Drogenhandels rund um das Medellín-Kartell, zu den gefährlichsten Stadtteilen Medellíns. Obwohl er, dessen Name nicht genannt wird, keinen riesigen Einfluss in der Comuna 13 hatte, war der Alltag der Bewohner geprägt von Armut, Gewalt und Kriminalität. Bis heute hat sich dies zum Glück stark verändert. Es bestimmen leider immer noch verschiedene Gangs das Geschehen. Aber die Gewalt hat rapide abgenommen und man kann die Comuna 13 heutzutage ohne grössere Bedenken besuchen. Wir schlossen uns für diesen Besuch erneut einer Tour an und wurden von unserem Tourguide, einer jungen Frau, die selber in der Comuna 13 lebt, durch den Stadtteil geführt. Die Tour war dadurch enorm authentisch. Wir kamen sogar am Haus unseres Tourguides vorbei. Sie wurde zudem immer wieder von Personen angesprochen, die sie uns alle als „meine Nachbarn“ vorstellte. Das Highlight in der Comuna 13 waren für uns die sechs Rolltreppen, die seit 2011 in die höhergelegenen Gebiete hinaufführen. Sie wirkten aus unserer Sicht zwar ein bisschen wie Fremdkörper, weil man sie nie in einem solchen Gebiet erwarten würde. Aber sie erleichtern den Alltag der Bewohner auf jeden Fall sehr. Ganz viel Streetart durfte auch in der Comuna 13 nicht fehlen. Hinzu kam eine tolle Aussicht auf Medellín. Für uns war die Tour somit ein weiterer sehr gelungener und interessanter Ausflug.

Vamos, vamos, vamos Medellín!

Auf keinem anderen Kontinenten, den wir bisher bereist hatten, war das Thema Fussball so allgegenwärtig gewesen wie nun in Südamerika. Ein Traum also für Patrick, der sein wöchentliches Fussballtraining doch sehr vermisst und sich gerne ein paar Fussballspiele angeschaut hätte. Blöd nur, dass die Saison in den meisten Ländern bereits vorbei war. So hatte es für Patrick zwar schon für Führungen in zwei bekannten Fussballstadien gegeben – im Bombonera der Boca Juniors in Buenos Aires und im Maracanã in Rio de Janeiro. Ein Spiel war aber noch nicht möglich gewesen. Glücklicherweise erfüllte sich dieser Wunsch nun endlich in Medellín. An einem Samstagabend besuchten wir zusammen mit vielen anderen Touristen im Rahmen einer organisierten Tour das Spiel zwischen Independiente Medellín und Union Magdalena aus Santa Marta. Vor dem Spiel trafen wir uns alle bei einem kleinen Quartierladen. Dort wurden ein paar Biere getrunken und wir bekamen eine Gesichtsbemalung. Nur wegen der Gesichtsbemalung war Andrea überhaupt zum Spiel mitgegangen. 😀 Kurz vor Spielbeginn liefen wir dann zum Stadion. Wir mussten etliche Kontrollen passieren, bis wir endlich drin waren. Da es nicht erlaubt ist, im Stadion zu rauchen und Alkohol zu trinken, mussten alle ihre Biere vor dem Eingang noch leeren und allfällige Zigarettenpäckchen verstecken. Das beste war jedoch, dass uns direkt nach der letzten Kontrolle bereits wieder Bier zum Kauf angeboten wurde. 😀 Auch im Stadion drin herrschte im Sektor der Gringos ein reger Handel mit Schnaps und Zigaretten. Sogar Kokain hätten wir kaufen können, es war kaum zu glauben. So verkam das Spiel schon fast zur Nebensache. Es war einfach zu interessant, die Zuschauer und das Geschehen auf den Tribünen zu beobachten. Immerhin sahen wir zwei Tore, eines auf beiden Seiten, und die Mannschaften trennten sich mit einem gerechten Unentschieden. Für uns bleibt die Erinnerung an einen unterhaltsamen, friedlichen Fussballabend. Und für Patrick gab es sogar noch ein Trikot der Kolumbianischen Nationalmannschaft als kleines Souvenir.

 

Guatapé

Ein toller Tagesausflug führte uns von Medellín aus nach Guatapé. Dieser Ort liegt rund zwei Stunden östlich von Medellín und ist vor allem für den Piedra del Peñol bekannt, einen Felsen, der etwas ausserhalb von Guatapé liegt. Man kann ihn über eine lange Treppe erklimmen. Mehr als 700 Treppenstufen führen an der Längsseite des Felsbrockens hinauf und lassen einen doch etwas ins Schwitzen geraten. Die Aussicht auf die Umgebung ist aber absolut toll. Dem Betrachter präsentiert sich eine schöne Seenlandschaft. Anscheinend besitzen viele kolumbianische Prominente irgendwo an einem der vielen Ufer ein Ferienhaus.

 

Vom Felsen aus nahmen wir anschliessend ein Tuktuk nach Guatapé. Der Ort zog uns sofort in seinen Bann. Alle Häuser waren wunderbar gestaltet und erstrahlten in den verschiedensten Farben. Nach einem leckeren Mittagessen schlenderten wir längere Zeit herum und bestaunten all die schönen Gebäude. Guatapé gefiel uns wirklich aussergewöhnlich gut, ein toller Farbkleks in der Landschaft.

Die grüne Oase Medellíns

Auch in Medellín war es wieder einmal Zeit, uns von einer Seilbahn herumchauffieren zu lassen. Da wir den Parque Arvi besuchen wollten, konnten wir mit der Seilbahn direkt bis zum Eingang fahren. Der Park liegt zwar nicht allzu weit vom Stadtzentrum weg. Trotzdem hat man das Gefühl, man sei komplett ab vom Schuss, wenn man mit der Seilbahn plötzlich über einen ausgedehnten Wald schwebt. Als wir aus der Seilbahn ausstiegen, war es nicht nur spürbar kühler, auch die Luft um uns herum roch plötzlich frischer als zu Beginn der Fahrt. Was also für die New Yorker der Central Park ist, ist für die Einwohner von Medellín der Parque Arvi. Leider kann man ohne Guide nur entlang der Hauptstrasse durch den Park laufen, was sehr langweilig ist. Man sieht praktisch nichts und ständig rasen Busse an einem vorbei. Da wir aber weder Zeit noch Lust hatten, uns einer Führung anzuschliessen, beliessen wir es bei einem Mini-Besuch und genossen dafür die Rückfahrt in der Seilbahn umso mehr.

Wie bisher sooft auf unserer Reise, gingen auch in Medellín die Tage wie im Flug vorbei. Obwohl die Stadt nicht wahnsinnig viele „spektakuläre“ Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, fanden wir sie sehr interessant und hätten noch einige Tage länger dort bleiben können. Wir sind froh, dass Medellín bereits einen grossen Wandel vollzogen hat und hoffen sehr, dass die Stadt in ein paar Jahren endgültig vergessen kann, welche schlimmen Sachen zu Zeiten von ihm, dessen Name nicht genannt wird, tagtäglich geschehen sind.

Medellín – auf den Spuren von ihm, dessen Name nicht genannt wird
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