Immer noch in Begleitung von Patrick’s Schwester Tina und ihrem Freund Daniel, legten wir den ersten Halt in Bolivien in La Paz ein. Die Stadt liegt eingebettet inmitten von vielen hohen Bergen auf über 3500 Metern über Meer. Ihr Motto lautet „La Paz – Ciudad del Cielo“, also übersetzbar mit „Die Stadt des Himmels“ oder „Die Stadt im Himmel“. Für uns ein absolut nachvollziehbarer Slogan, da wir uns auf dieser Höhe dem Himmel tatsächlich sehr nahe fühlten. Für Tina und Daniel ging es leider nach nur einem Tag in La Paz wieder zurück in die Schweiz. Deshalb nutzten wir diesen einen Tag für eine ausgiebige Stadterkundung.

Via Gefängnis zum Hexenmarkt

In einem gemütlichen Café starteten wir den Tag mit einem leckeren Frühstück. Voller Tatendrang schlossen wir uns anschliessend einer Stadtführung an, die uns während rund drei Stunden an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von La Paz vorbeiführte. Die Tour startete bei einem Platz neben einem eher unscheinbaren Gebäude. Einer der beiden Guides erklärte uns aber schon bald, dass es sich dabei um das berühmt berüchtigte San-Pedro-Gefängnis handelt, einen der wohl merkwürdigsten Knasts der Welt. Da wir zuvor noch nie etwas von diesem Gefängnis gehört hatten, waren wir absolut fasziniert und gleichzeitig geschockt ab den Details, die wir darüber erfuhren. Es würde jedoch zu lange dauern, diese alle hier wiederzugeben. Deshalb haben wir für Interessierte einen lesenswerten Artikel auf der Seite von Fokus online verlinkt.

Als Nächstes brachte uns die Stadtführung zum Hexenmarkt. Dabei handelt es sich um einen kleinen Strassenabschnitt, an welchem viele Läden und Stände zu finden sind. Dort kann man die skurrilsten Sachen kaufen, beispielsweise haufenweise Pülverchen oder auch getrocknete Lamaföten. Die Föten werden bei Zeremonien eingesetzt, wenn jemand ein neues Haus bauen will. Dann wird der Fötus zusammen mit anderen Gaben an Mutter Erde im Fundament begraben.

Spuren der Gewalt mitten in der Stadt

Nach dem Hexenmarkt ging unsere Tour weiter zur Kirche San Francisco, führte vorbei am Mercado Lanza und brachte uns zum Plaza Murillo, dem Hauptplatz von La Paz. Immer wieder lieferten uns die beiden Guides Informationen über die Geschichte Boliviens und über die momentane politische Situation. Am Plaza Murillo, wo man unter anderem das Kongressgebäude und den Präsidentenpalast findet, steht auch ein Haus mit etwa 40 Einschusslöchern. Diese stammen aus dem Jahr 2003, als Polizisten gegen eine weitere Reduzierung ihrer bereits schon sehr tiefen Gehälter protestierten. Soldaten wurden eingesetzt, um gegen die Polizisten vorzugehen. Es resultierten insgesamt über 20 Tote. Wir haben spätestens auf dieser Führung gemerkt, dass Bolivien immer noch an allen Ecken und Enden mit gewaltigen Problemen zu kämpfen hat.

Der Rundgang durch La Paz endete in einem Café mit einem Glas Singani, dem Nationalschnaps Boliviens. Dort referierten die beiden Guides – wohlgemerkt hinter verschlossenen Türen – auch nochmals ausführlich über die politische Situation. Der aktuelle Präsident, Evo Morales, ist zwar der erste indigene Präsident Boliviens, scheint aber, wie so viele seiner Vorgänger, mittlerweile nicht mehr gross am Wohl der Bevölkerung interessiert, sondern primär an seinem eigenen. Grosses Kopfschütteln bereitete uns beispielsweise eine Anekdote, wonach er 2014 mit überragender Mehrheit erneut zum Präsidenten gewählt wurde, man aber im Nachhinein herausfand, dass er viele Stimmen von längst verstorbenen Bolivianern erhalten hatte… Welche Kräfte da wohl am Werk gewesen waren?!?

Seilbahnen als normale Transportmittel

Eine Sehenswürdigkeit in La Paz, die wir auf der Stadtführung zwar bereits aus der Ferne betrachtet, aber noch nicht benutzt hatten, waren die Seilbahnen. Seit 2014 verkehren tatsächlich mehrere Seilbahnlinien zwischen La Paz und der Stadt El Alto, wo sich auch der internationale Flughafen befindet. Da La Paz in einen Talkessel hineingebaut ist, und El Alto quasi über La Paz auf dem Hochplateau thront, machen Seilbahnen durchaus Sinn, um die Höhenunterschiede auf elegante Art und Weise zu überbrücken. Die Seilbahnen werden deswegen nicht nur von den Touristen, sondern auch von den Einheimischen als normales Transportmittel benutzt. Auch wir hatten unseren Spass daran, mehrere der momentan acht existierenden Linien auszuprobieren. Sie führten uns in gemütlichem Tempo quer durch die Stadt und liessen tolle Blicke auf die gesamte Umgebung zu. Nur ging dadurch die Zeit wie im Fluge vorbei und schon bald läutete das Abendessen die letzte Mahlzeit zusammen mit Tina und Daniel ein. Da wir in den Tagen zuvor aufgrund unserer gesundheitlichen Probleme essenstechnisch etwas eingeschränkt gewesen waren, wollten wir diesen letzten Abend nochmals ausgiebig geniessen. Wir dinierten edel im Hard Rock Café von La Paz, das ganz in der Nähe einer Seilbahnstation liegt. Früh am nächsten Morgen hiess es dann aber leider wirklich Abschied nehmen von Tina und Daniel. Wir haben uns riesig gefreut, dass ihr uns besuchen gekommen seid und möchten uns nochmals ganz herzlich dafür bedanken. Bis bald wieder in der Schweiz bei einem Yanif und Spaghetti Bolognese. 😉

 

Wieder einmal krank

Am nächsten Tag wog bei Patrick wohl der Abschiedsschmerz zu sehr. Er fühlte sich wieder krank und sein Magen rebellierte wie wild. Vielleicht waren es auch zu viele Drinks am Abend zuvor gewesen, wir wissen es nicht so genau… 😉 Aber auf jeden Fall war das gar nicht gut. Weil dadurch auch nicht an eine Weiterreise zu denken war, quartierten wir uns für mehrere Tage in einem gemütlichen Airbnb ein. Ausserdem besuchten wir eine Klinik, die gleich ums Eck lag. Eine Blut- und Stuhlprobe ergaben, dass sich Patrick ein paar hübsche neue Haustiere besorgt hatte. Willkommen liebe Parasiten! Eingedeckt mit neuen Medikamenten und einer auferlegten Diät, verbrachten wir die nächsten Tage hauptsächlich im Airbnb. An irgendwelche Aktivitäten war nicht zu denken. Es fehlte uns auch schlicht die Lust auf grössere Erkundungstouren. Aber durch diese erneute Zwangspause hatten wir immerhin wieder einmal viel Zeit, um ausgiebig mit Freunden und der Familie zu telefonieren und weitere Reisepläne zu schmieden.

Auf der gefährlichsten Strasse der Welt

Nach einigen Tagen ging es Patrick dann zum Glück wieder etwas besser. So konnten wir doch noch einen Ausflug machen. Wir buchten eine Mountainbike Tour auf der ehemals gefährlichsten Strasse der Welt, der sogenannten Death Road. Gefährlich war die Strasse früher vor allem deswegen, weil sie an gewissen Stellen sehr, sehr schmal ist und es nicht auf der ganzen Strecke Leitplanken gibt. Auch ist sie starker Erosion ausgesetzt, was zu Steinschlägen oder Erdrutschen führen kann. Das schlimmste Unglück ereignete sich 1983, als ein Bus ins Schleudern geriet und über 100 Menschen in den Tod stürzten. Seither hat sich aber zum Glück einiges geändert. Die Strasse wird nur noch sporadisch genutzt, da mittlerweile eine neue, zweite Strasse existiert. Deswegen findet man heute vor allem Touristen mit ihren Mountainbikes auf der Death Road, aber nur noch wenige motorisierte Fahrzeuge.

  

Der Startpunkt unserer Tour lag eine gute Stunde von La Paz entfernt auf rund 4700 Metern über Meer. Ausgerüstet mit der passenden Schutzkleidung fuhren wir insgesamt über 50 Kilometer den Berg hinunter, bis wir das Ziel auf etwa 1200 Metern über Meer erreicht hatten. Während der erste Teil der Strecke noch auf Asphalt war, was das Fahren angenehm machte, war es im zweiten Teil dann vorbei mit der Heiterkeit. Nun ging es über Stock und Stein, sodass wir bis am Ende ziemlich durchgeschüttelt waren. Andrea konnte den Muskelkater in den Armen vom vielen Bremsen schon kurz nach dem Ende deutlich spüren. 😀

 

Mit diesem tollen Erlebnis neigte sich unser Aufenthalt in La Paz dem Ende zu. Aufgrund der erneuten Zwangspause, die wir hatten einlegen müssen, waren wir schlussendlich über eine Woche in der höchstgelegenen Verwaltungshauptstadt der Welt gewesen. Nun ging es mit dem Flugzeug weiter nach Sucre. Im nächsten Blog berichten wir euch gerne über unseren Abstecher in eine der angeblich schönsten Städte Südamerikas.

 

La Paz – die Stadt im Himmel
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