Die letzten zwei Wochen in Brasilien verbrachten wir im Nordosten des Landes. Von Rio aus flogen wir nach Salvador. Leider hatten wir nicht allzu viel Zeit, diese Stadt zu erkunden. Aber für ein bisschen Sightseeing und einen schönen Sonnenuntergang reichte es zum Glück trotzdem.

Die ehemalige Hauptstadt der portugiesischen Kolonie

In vielen Reiseführern steht, dass Salvador heutzutage das „afrobrasilianische Juwel des Landes“ ist. In keiner anderen Stadt Brasiliens haben die afrikanischen Sklaven ihr Erbe anscheinend so bewahrt wie in Salvador. Dazu gehören beispielsweise die Musik, die Religion, das Essen oder Tanz- und Kampfkunsttraditionen. Sogar Michael Jackson hat der Stadt vor vielen Jahren einmal einen Besuch abgestattet, als er dort Teile des Musikvideos für sein Lied „They don’t care about us“ gedreht hat (klicke hier, wenn du dir den Videoclip anschauen möchtest). Uns gefielen in Salvador vor allem die vielen bunten Häuser. Wir genossen es sehr, über das Kopfsteinpflaster zu schlendern, die schönen Gebäude anzuschauen und dem Treiben auf der Strasse zuzuschauen.

Keine Seilbahn, sondern ein Lift

In einigen anderen Städten Südamerikas, beispielsweise in La Paz, Salta oder Medellín, können Höhenunterschiede innerhalb der Stadt mittels einer Seilbahn überwunden werden. Nicht so allerdings in Salvador. Anstelle einer Seilbahn findet man hier den Elevador Lacerda. Dieser Lift bringt die Benutzer für umgerechnet etwa 0.05 CHF von der Cidade Alta in den leicht tiefergelegenen Stadtteil Comércio. Die Fahrt dauert nur wenige Sekunden und eine Aussicht hat man dabei nicht. Aber die Einrichtung ist trotzdem ganz interessant, weshalb wir sie natürlich ausprobiert haben.

Sonnenuntergang beim Leuchtturm

Mehr Zeit für noch weitere Erkundungstouren in Salvador hatten wir dann aber leider nicht mehr. Es blieb uns einzig noch die Möglichkeit, einen schönen Sonnenuntergang vom Leuchtturm „Barra“ aus zu bewundern. Der Leuchtturm liegt ganz an der südlichen Spitze der Stadt und ist sowohl bei den Touristen, als auch bei den Einheimischen ein beliebtes Ausflugsziel. Die Sonne wurde gegen den Schluss hin zwar leicht von den Wolken verschluckt, aber die Stimmung war trotzdem sehr schön.

Reise ins Landesinnere

Mit diesen wenigen Eindrücken von der Stadt können wir leider kein umfassendes Urteil über Salvador abgeben. Gewisse Reiseveranstalter raten aktuell sogar von einer Reise nach Salvador ab, weil die Stadt eine der gefährlichsten in Brasilien sein soll. Wir sind trotzdem froh, dass wir den Abstecher hierher gemacht haben. Wir haben uns allerdings hauptsächlich innerhalb der Altstadt, des Pelourinho, aufgehalten. Die Polizeipräsenz war dort recht gut, weswegen wir uns jederzeit sicher gefühlt haben.

Salvador war für uns der Ausgangspunkt für einen Abstecher ins Landesinnere. Mit einem Bus fuhren wir rund sieben Stunden bis nach Lençóis. Dieser Ort diente uns als Startpunkt für Ausflüge in den Nationalpark „Chapada Diamantina“, wo wir ein paar Touren machen wollten.

Die Wanderschuhe auspacken

Wer seinen Koffer für einen Urlaub in Brasilien packt, der wird wohl kaum als erstes die Wanderschuhe bereitlegen. Auch wir wussten nicht so genau, was uns im Nationalpark Chapada Diamantina genau erwarten würde, denn die Brasilianer sind ja nicht unbedingt als ein Volk von Wanderern bekannt. Aber jede einzelne Person (oder zumindest fast jede 😉 ), die wir nach Tipps zu Brasilien befragt hatten, gab als erstes zur Antwort: Chapada Diamantina! Die meisten Touristen machen dort einen 3-tägigen Trek, der an den schönsten Sehenswürdigkeiten vorbeiführt. Da wir allerdings nicht so viel Zeit hatten, mussten wir uns mit zwei einzelnen Tageswanderungen zufrieden geben. So hiess es also wieder einmal die Wanderschuhe schnüren, wobei wir schnell merkten, dass eine Wanderung in Brasilien definitiv nicht mit einer Wanderung in der Schweiz zu vergleichen ist. 😀

Badespass unter Wasserfällen

Auf der ersten Tour hielten wir an insgesamt vier Stationen. Wir besichtigten zuerst Pratinha, einen kleinen See mit kristallklarem Wasser, in dem wir ein erfrischendes Bad nahmen. Anschliessend besuchten wir die Höhle „Lapa Doce“, die einige Stalagmiten und Stalaktiten beherbergt und Teil eines riesigen verzweigten, unterirdischen Netzes ist. Den wohl unterhaltsamsten Halt legten wir beim Devil’s Pool Wasserfall ein. Auch dort konnten wir uns wieder in die Fluten stürzen und uns unter den Wasserfall stellen. Zum Abschluss des Tages schauten wir uns auf dem Pai Inácio Hügel den Sonnenuntergang an. Eine definitiv gelungene Tour, die uns einige Einblicke in diesen Nationalpark ermöglichte und sehr abwechslungsreich war.

 

Am zweiten Tag blieben wir dann in der Nähe von Lençóis. Mit einem lokalen Guide besuchten wir einige tolle Plätze, zum Beispiel erneut ein paar Wasserfälle. Dort konnten wir wieder baden gehen, was wir bei den heissen Temperaturen, die herrschten, natürlich super fanden. Somit hatten sich beide Touren auf jeden Fall gelohnt. Chapada Diamantina wird es zwar nicht auf die Liste unserer absoluten Tophighlights auf dieser Weltreise schaffen. Die landschaftliche Abwechslung im Vergleich zu den Grossstädten und den Stränden von Brasilien zeigte uns aber eine weitere Seite dieses spannenden Landes. Ausserdem kam uns die Abkühlung in den verschiedenen natürlichen Swimmingpools jeweils sehr gelegen, da es jeden Tag ziemlich heiss war.

Zum Abschluss nochmals an den Strand

Von Lençóis aus fuhren wir mit dem Bus wieder zurück nach Salvador. Von dort aus flogen wir ein Stückchen weiter in den Nordosten, bis nach Natal. Am Flughafen von Natal organisierten wir uns einen Fahrdienst, der uns bis nach Pipa brachte, ein kleines Dörfchen südlich von Natal, direkt an der Küste. In Pipa verbrachten wir sehr entspannte Tage. Wir genossen hauptsächlich den Strand und das schöne Wetter. Beim Faulenzen, Lesen, Surfen, Beachtennis spielen und Baden im Meer verging die Zeit sehr schnell. Unser Lieblingsstrand war der Praia Baía dos Golfinhos. Da man ihn nur zu Fuss und nur bei Ebbe erreicht, hielt sich der Besucheraufmarsch etwas in Grenzen. An zwei Tagen sahen wir Delfine, welche in dieser Bucht leben und immer wieder ganz nahe an den Strand kommen. Wir konnten so richtig die Seele baumeln lassen und auch unsere Mägen wurden mit leckerem Essen verwöhnt. 😉

Mit blablacar nach Recife

Nach Pipa blieben uns noch zwei Tage in Brasilien, die wir in Recife und Umgebung verbrachten. Um von Pipa nach Recife zu fahren, probierten wir wieder einmal etwas Neues aus, nämlich den Fahrdienst „blablacar“. Wer auch immer auf diesen Namen gekommen ist, wir würden der Person sofort einen Preis für besondere Kreativität verleihen. 🙂 Der Fahrdienst funktioniert dank eines Apps, auf welchem man angibt, von wo nach wo man transportiert werden möchte. Personen, welche diese Strecke fahren und noch Platz im Auto haben, bieten ihre Sitze zu einem bestimmten Preis an. Man bildet also eine kleine Fahrgemeinschaft, bei welcher beide Parteien profitieren. Aus unserer Sicht eine super Idee, die sich hoffentlich bald auch in weiteren Ländern durchsetzen wird. Unsere Fahrt von Pipa nach Recife war zwar etwas umständlich. Zum einen, weil uns der erste Fahrer im letzten Moment wieder abgesagt hatte. Zum anderen, weil wir beim zweiten Fahrer über vier Stunden zu dritt auf der Rückbank sitzen mussten. Eine Erfahrung Wert war blablacar aber allemal, und bezahlt haben wir umgerechnet etwa 15 CHF pro Person, was wir für die Distanz angemessen fanden.

Bye bye Brasilien

An den beiden letzten Tage in Recife machten wir noch zwei unterschiedliche Ausflüge. Am ersten Tag fuhren wir nach Olinda. Dieses kleine Örtchen liegt nur ein paar Kilometer von der Grossstadt Recife entfernt und zählt zu den ältesten Städten Brasiliens. Mit seinen historischen Bauten gehört Olinda seit 1982 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wir erkundeten Olinda zu Fuss, da viele der sehenswerten Gebäude in gemütlicher Laufdistanz zueinander liegen. Bei unserem Besuch war auf den Strassen nicht allzu viel Betrieb. Gerade zur Zeit des Karnevals jedoch, also in rund einem Monat, wird dann aber vermutlich die Hölle los sein, da der Karneval in Olinda zu den grössten Karnevalsveranstaltungen Brasiliens gehört.

Der zweite Ausflug führte uns ins Instituto Ricardo Brennand. Dabei handelt es sich um eine private Organisation, die 2002 vom brasilianischen Sammler und Geschäftsmann Ricardo Brennand gegründet wurde. Wir besuchten im Institut die Kunstgalerie und die Waffensammlung mit unzähligen Exponaten. Besonders gefallen haben uns die vielen Ritterrüstungen, die wahnsinnig gut erhalten sind .

Mit dem Aufenthalt in Recife neigt sich unsere Zeit in Brasilien dem Ende zu. Wir verabschieden uns nach über sechs Wochen mit vielen wunderbaren Eindrücken und Erlebnissen vom grössten Land Südamerikas. Obwohl wir das Gefühl haben, wir hätten einiges gesehen, gäbe es noch so viele weitere Sachen und Orte zu entdecken… Das Land ist einfach zu gross! Aber wer weiss, vielleicht kehren wir ja eines Tages wieder hierher zurück. Unsere Reise führt uns nun für die nächsten drei Wochen nach Kolumbien, ein Land, das uns von den meisten Reisenden, die wir angetroffen haben, wärmstens empfohlen worden ist.

Kultur, Wanderungen und Strände im Nordosten Brasiliens
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