Ein weiteres Land, welches wir auf unserer Reise in Südostasien unbedingt ansteuern wollten, war Kambodscha. Dabei interessierten uns natürlich vor allem die berühmten Tempel von Angkor. Wir hatten schon so viele schöne Fotos davon gesehen, dass wir sie auf jeden Fall selber erkunden wollten und uns riesig darauf freuten.
Phu Quoc, die Insel in Vietnam, auf welcher wir die letzten paar Tage verbracht hatten, liegt so nahe bei Kambodscha, dass eine Einreise via Fähre und Bus extrem einfach ist. Deswegen entschieden auch wir uns für diese Variante, obwohl wir einen ganzen Tag dafür investieren mussten. Kurz vor der Grenze mussten wir im Büro unseres Touranbieters die Pässe, den Impfausweis, zwei Passfotos und jede Menge US-Dollar abgeben. Dann verschwand die Dame mit all unseren Unterlagen und wir durften zwei Stunden lang warten. Plötzlich mussten wir in einen Bus einsteigen, welcher uns zum Grenzübergang fuhr. Diesen mussten wir allerdings zu Fuss passieren und erhielten auf der anderen Seite zum Glück endlich wieder den Pass zurück. Vom Impfausweis fehlte jedoch noch jede Spur. Wir mussten einige hundert Meter weiter zur nächsten Kontrollstelle laufen. Dort wurden unsere Fingerabdrücke gescannt und wir bekamen endlich, endlich auch wieder unseren Impfausweis zurück. Soweit hatte alles geklappt, die Einreise nach Kambodscha war geschafft.
Am Zielort angelangt waren wir allerdings noch lange nicht. Mit dem Bus ging es noch gut vier Stunden weiter, bis wir am späten Abend dann in der Hauptstadt Kambodschas, in Phnom Penh, eintrafen.

Phnom Penh

In Phnom Penh hatten wir leider zum ersten Mal seit dem Start unserer Reise kein Glück mit der Unterkunft, obwohl sie auf verschiedenen Onlineplattformen gute Bewertungen erhalten hatte. Das Zimmer war schmutzig und schmuddelig, sodass wir uns überhaupt nicht wohl fühlten. Wir waren deswegen nicht ganz unglücklich darüber, dass wir nur 2 Tage für Phnom Penh eingeplant hatten.

Tuol Sleng Genocide Museum (Prison S-21)

Von mehreren Freunden und auch von Patricks Schwester hatten wir den Tipp bekommen, das Tuol Sleng Genocide Museum in Phnom Penh zu besichtigen. Es handelt sich dabei um ein Gefängnis der Khmer Rouge, die darin in den späten 70er Jahren einen fürchterlichen Genozid veranstaltet haben.
Wer sich für die ganze Geschichte dahinter interessiert, kann sich hier dazu informieren.
Mit einem Audioguide als wertvolle Unterstützung verbrachten wir den Vormittag an diesem ehemals grauenhaften Ort. Die Tour war sehr interessant gestaltet und der Audioguide lieferte umfangreiche Informationen und Hintergrundgeschichten zu den schrecklichen Ereignissen, die im Gefängnis stattgefunden hatten. Besichtigen kann man immer noch alle Gebäude, darunter Verhörräume und Zellen. Viele Fotos an den Wänden dokumentieren, wer in diesem Gefängnis inhaftiert war und wie sich das Leben hinter den Mauern abgespielt hat. Keine leichte Kost 🙁 Mitgenommen und tief betroffen rundeten wir den Tag mit einem Besuch der Killing Fields ab.

Choeung Ek Genocidal Center (Killing Fields)

Ein wenig ausserhalb von Phnom Penh liegt das Choeung Ek Genocidal Center, besser bekannt unter dem Namen „Killing Fields“. Mit dem Tuk Tuk nahmen wir die rund 30-minütige Fahrt dorthin in Angriff. An diesem Ort wurden neben vielen anderen Kambodschanern auch alle Gefangenen aus dem Prison S-21 zuerst hingerichtet und dann in Massengräbern begraben. Insgesamt fielen gegen 3 Millionen Menschen dem schrecklichen Genozid der Khmer Rouge zum Opfer, was zu dieser Zeit fast der Hälfte der ganzen Bevölkerung von Kambodscha entsprach. Im ganzen Land wurden solche Killing Fields eingerichtet und genutzt, um möglichst effizient und unauffällig die Masse an Toten zu beseitigen.
Ein Audioguide führte uns wie schon zuvor im Gefängnis S-21 durch das Gelände und gab uns viele Hintergrundinformationen zur Geschichte des Ortes. Weil die meisten Gebäude nach der Entdeckung dieses Killing Fields abgerissen wurden, kann man sich das ganze Ausmass an Grausamkeit, welche hier vollführt wurde, nicht komplett vorstellen, aber das ist vielleicht auch besser so. Denn noch immer stossen die Wärter der Anlage auf Knochen und Kleidungsstücke, die durch die Erosion an die Oberfläche der Gruben getragen werden. Eine Stupa in der Anlage gedenkt der vielen Menschen, die hier ermordet und begraben wurden. Sie ist gefüllt mit Schädeln von Opfern, ein grausiger Anblick.

Was für ein trauriges Kapitel in der Geschichte dieses Landes! Kaum vorstellbar, wie es Ende der 70er Jahre möglich war, dass die Roten Khmer solche Gräueltaten vollbringen konnten und die ganze Welt anscheinend in Unkenntnis darüber war. Es bleibt zu hoffen, dass solche Taten für immer der Vergangenheit angehören.

Für uns ging dieser doch sehr bedrückende Tag mit einer weiteren Tuk Tuk Fahrt in Phnom Penh zu Ende. Der Fahrer zeigte uns am Abend noch verschiedene Sehenswürdigkeiten wie das Unabhängigkeitsdenkmal und den Wat Phnom, einen kleinen Tempel. Am nächsten Morgen verliessen wir die Stadt bereits wieder, ein Bus brachte uns ins gut fünf Stunden entfernte Siem Reap.

Siem Reap / Angkor 

Mit den Tempeln von Angkor wartete ein weiteres grosses Highlight unseres Weltreislis auf uns. Obwohl der Eintritt nicht gerade günstig ist, hatten wir uns schon vor der Ankunft dazu entschieden, einen 3-Tages-Pass zu lösen. So hatten wir genügend Zeit, das riesige Gelände und die vielen Tempel zu erkunden. Wenn man das Ticket schon am Vorabend nach 17 Uhr löst, kann man am gleichen Tag sogar noch für den Sonnenuntergang in die Anlage hinein, ohne dafür zu bezahlen. Davon machten natürlich auch wir Gebrauch und konnten so bereits am ersten Abend noch den wohl bekanntesten Tempel, den Angkor Wat, bestaunen. Da viele Tagestouristen die Anlage um diese Zeit bereits wieder verlassen hatten, konnten wir schon fast ungestört erste Eindrücke gewinnen und den Angkor Wat ausgiebig erkunden. Zwar wurden wir am Schluss von den Tempelwärtern wie eine Horde Kühe freundlich, aber bestimmt aus der Anlage getrieben, aber das nahmen wir gerne in Kauf.
Die nächsten beiden Tage verbrachten wir mit dem Erkunden der weiteren Tempel. Einmal waren wir mit einem Tuk Tuk Fahrer unterwegs, der uns bequem von einem Ort zum anderen chauffierte. Das andere Mal wollten wir endlich wieder einmal ein bisschen Sport treiben und quälten uns deswegen morgens um 04:30 Uhr aus dem Bett, um mit dem Fahrrad den Sonnenaufgang beim Angkor Wat zu erleben. Wie wenn es noch nicht gereicht hätte, dass uns am Laufmeter andere Touristen in den Tuk Tuks überholten, nein, auch die liebe Sonne liess uns schön im Stich, es war so bewölkt, dass sich der Himmel kein bisschen, aber wirklich kein bisschen, verfärbte 😀 Das mit dem früh Aufstehen und dafür mit einem tollen Sonnenaufgang belohnt zu werden, klappt bisher – wir erinnern uns an Bagan – definitiv noch nicht so ganz… 😉 Aber immerhin konnten wir den frühen Morgen nutzen, um weitere Tempel mit nur wenigen anderen Touristen zu bestaunen.
Den Rest des Tages und den Tag darauf mussten wir uns dann ein bisschen vom anstrengenden Fahrrad fahren erholen. Zum Glück hatte unsere Unterkunft einen hübschen kleinen Pool, an welchem wir ausgiebig relaxen konnten. So konnten wir unsere Batterien aufladen, um uns am letzten Tag in Siem Reap nochmals der riesigen Touristenmasse entgegenzustellen. Mit gefühlten 10 Millionen anderen Touristen stürzten wir uns nochmals ins Vergnügen und erkundeten beispielsweise noch den vor allem aus dem Film „Lara Croft: Tomb Raider“ berühmten Tempel Ta Phrom.
Die Tempellandschaft von Angkor ist unglaublich vielfältig und beeindruckend. Es ist zum Teil kaum vorstellbar, wie solche Bauwerke vor über 1000 Jahren erschaffen wurden. Viele Tempel sind zwar mittlerweile stark verfallen, aber das mindert ihre Schönheit in keinster Weise. Ausserdem laufen viele Projekte, um die Tempel zu restaurieren.

Angkor Wat
Streetfood in Siem Reap – Leckere Schlangen und Skorpione

Nach der eher bedrückenden Zeit in Phnom Penh genossen wir die Tage in Siem Reap extrem. Die Tempel von Angkor sind definitiv faszinierend und wir sind froh, dass wir uns viel Zeit nehmen konnten, um sie ausgiebig zu erkunden.

Die Zeit in Kambodscha war kurz und ging wahnsinnig schnell vorbei, schon heisst es wieder Abschied nehmen. Für uns geht es nun zurück nach Thailand, mit einem ersten Aufenthalt in der Hauptstadt Bangkok.

Kambodscha: Auf den Spuren von Tomb Raider und den Khmer Rouge

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