Vientiane

Unsere Reise in Laos begann in der Hauptstadt, in Vientiane. Wenn man sich normalerweise unter einer Hauptstadt eine grosse, eher laute und hektische Stadt vorstellt, dann wird man in Vientiane eines Besseren belehrt. Die «Stadt» ist im Zentrum überschaubar klein, fast schon herzig, sehr ruhig und vor allem einfach aufgebaut, man findet sich innert Kürze gut zurecht. Wir haben uns wie so oft bisher auch in Vientiane ein Fahrrad geschnappt und damit die Stadt erkundet. Viel zu sehen gibt es nicht, ein paar Tempel, die Uferpromenade am Mekong mit einem dazugehörigen Nachtmarkt, den laotischen «Arc de Triomphe», genannt Patuxay Monument, und daneben viele hübsche Cafés und Bäckereien mit leckeren gefüllten Baguettes oder verführerischen Desserts.
Eine interessante Ausstellung über die Bombardierung von Laos während des Vietnam Krieges besichtigten wir im COPE-Museum. Das Land wurde von den Amerikanern während 8 Jahren (von 1964 – 1973) praktisch pausenlos bombardiert, vor allem entlang des Ho Chi Minh Trails, und gilt als das am stärksten bombardierte Land der Welt. Das Schlimme an der ganzen Sache ist, dass gut 30% aller abgeworfenen Bomben nicht explodiert sind und jetzt irgendwo vor sich hin schlummern. Immer wieder finden Kinder beim Spielen ein «Bombie», mit fatalen Folgen. Viele Laoten verunfallen zudem beim Ackerbau, wenn sie aus Versehen in eine Bombe hineinstechen. COPE und auch andere Organisationen in Laos unternehmen viel, um das Land zu säubern, die Bevölkerung aufzuklären und die Verunfallten beispielsweise mit Prothesen zu unterstützen.
Für Unterhaltung ganz anderer Art sorgte das Aufeinandertreffen mit der amtierenden Miss Universe Laos, die für ein Fotoshooting zur gleichen Zeit wie wir in einem Park war, sowie die abendliche Aerobic-Stunde am Ufer des Mekongs, bei welcher wir aus Spass auch noch ein paar Schweisströpfchen vergossen haben. Zwar passte die Musik überhaupt nicht zu den Bewegungen, aber lustig war die ganze Szenerie trotzdem, wie sich innert Kürze mehrere Dutzend Menschen zum Groupfitness zusammengefunden hatten.
Nach zwei Tagen in Vientiane ging es für uns mit einem Minivan dann bereits weiter ins ca. 3 Stunden nördlich gelegene Vang Vieng.

Patuxay Monument
Miss Universe Laos

Vang Vieng

Auf den ersten Blick scheint Vang Vieng vergleichbar zu sein mit Koh Tao, ein Örtchen, an dem sich hauptsächlich Backpacker und junges Reisevolk zum Feiern trifft. Vor einigen Jahren war Vang Vieng auch primär für sein Tubing bekannt. Auf grossen Gummireifen liessen sich die Leute den Fluss hinuntertreiben, der gesäumt war von unzähligen Bars. Der Alkohol floss in Strömen, der Drogenkonsum war hoch, die Anzahl der Unfälle ebenso. Nicht selten ertrank jemand durch die Alkohol-Drogen-Kombination im Fluss, wenn die Heimfahrt in den Reifen zu anspruchsvoll geworden war. Seit die laotische Polizei nun aber rigoros durchgegriffen hat, sind viele der Bars verschwunden. Das Partyvolk ist zwar geblieben, ihnen bleibt aber genau eine einzige Bar, um zu feiern, eine zweite ist für die Einheimischen reserviert 🙂
Vang Vieng hat neben dem Tubing natürlich auch noch einiges anderes zu bieten. Wir entschieden uns für eine ganztägige Trekking-Caving-Kayaking-Tour. Per TukTuk wurden wir zum Ausgangspunkt der Trekkingtour gebracht und marschierten dann kurze Zeit durch die Gegend. Der Guide zeigte uns insgesamt drei verschiedene Höhlen, die wir, ausgerüstet mit Stirnlampen, erkunden konnten. In den Höhlen sahen wir neben den Kalksteinformationen einige schöne Stalaktiten, zum Teil hübsch glitzernd, ein paar Fledermäuse und andere Kleintiere wie Spinnen oder Frösche. Das Trekking war zwar nicht anstrengend, weil es primär geradeaus ging, aber es war sehr, sehr heiss. Trotzdem genossen wir die schöne Landschaft, sahen erneut viele grüne Reisfelder und besuchten ein Dorf der Einheimischen. Als Höhepunkt der Tour konnten wir am Schluss noch mit einem Kajak den Fluss hinunterpaddeln. Zum Teil fühlte es sich fast so an, wie wenn wir auf dem Rhein gewesen wären 🙂 Das Wasser war klar und ruhig, am Ufer badeten Kinder, immer wieder mussten wir kleine Stromschnellen überwinden und gegen Ende passierten wir auch noch diese letzten beiden Bars mit dem Tubing-Publikum. Alles in allem ein toller Ausflug, den wir zusammen mit unserem Guide und zwei weiteren Touristen aus Polen erleben durften.
Wie schon in Vientiane spürte man auch in Vang Vieng das französische Flair, auch hier hatte es wieder viele Cafés und Bäckereien. Als wir uns eines Abends noch einen leckeren Dessert gönnten, trafen wir per Zufall auf zwei Schweizer Ehepaare, wovon eines tatsächlich aus Eglisau war. Wie klein die Welt doch ist! 🙂
Nach zwei Tagen hatten wir auch Vang Vieng erkundet, sodass wir erneut in einem Minivan weiter in den Norden, nach Luang Prabang, reisten.

Kajaken auf dem Nam Xong River
Reisernte
Höhlenbesichtigung

Luang Prabang

Unser Minivan kam mit etwas Verspätung in Luang Prabang an. Grund dafür war, dass wir unterwegs fast steckengeblieben wären… Es hatte in den letzten Tagen immer wieder heftig geregnet. Die Strecke von Vang Vieng nach Luang Prabang ist sehr kurvenreich und «steil». So kam es, dass an einer Stelle die Strasse völlig aufgeweicht und matschig war. Mehrere Vans und PWs versuchten ihr Glück, blieben aber kläglich stecken. Ein Jeep der Armee musste jedes Fahrzeug, das ohne 4×4 ausgestattet war, einzeln über die Stelle ziehen, was natürlich einen riesigen Stau auslöste. Als wir an der Reihe waren, preschte unser Fahrer los und überwand das Hindernis ohne Probleme. Wir wissen bis heute nicht, wie er dies angestellt hat, weil vor uns jeder, aber wirklich jeder der anderen Minivans steckengeblieben war, doch er schaffte es irgendwie und wir sind sicher, dass er vor lauter Stolz gerade um ca. 10 cm gewachsen ist. Eine Geschichte, die er vermutlich noch jahrelang seinen Enkeln erzählen wird 🙂
In Luang Prabang waren wir mit den Rucksäcken auf dem Weg vom Zentrum zu unserem Guesthouse auf der anderen Seite des Flusses, als uns leider Google Maps einen Strich durch die Rechnung machte. Anstatt der angezeigten Brücke war dort gar nichts, ausser Wasser. So mussten wir mit einem TukTuk wieder den ganzen Weg, den wir vorher zurückgelegt hatten, zurückfahren, um den Fluss an einer anderen Stelle zu überqueren. Erst später fanden wir heraus, dass es diese Brücke zwar schon gibt, es sich aber lediglich um eine Bambusbrücke handelt, die jeweils nur in der Trockenzeit aufgebaut wird.

In Luang Prabang blieben wir während sechs Tagen und genossen es, zwischendurch auch einfach mal ein bisschen auszuspannen. Wir besichtigten die berühmten Kuang Si Wasserfälle und den Schmetterlingspark, der gleich daneben liegt, erkundeten erneut ein paar Tempel, verköstigten uns mehrmals am Nachtmarkt und in den vielen Bäckereien und genossen ruhige, entspannte Stunden am Fluss beim Relaxen. An einem Abend kletterten wir noch auf den Mount Phousi, um unser Glück mit den Sonnenuntergängen zu probieren. Vereinzelte Mitglieder der Tripadvisorgemeinde hatten vor einem schwierigen, schweisstreibenden Aufstieg gewarnt, der nur mit guten Schuhen zu bewältigen ist. Nach dem Aufstieg auf den Mandalay Hill in Myanmar hatten wir für den Mount Phousi allerdings nur ein müdes Lächeln übrig, denn der Weg war kurz und die Treppenstufen schön breit und weit auseinander. Keine Ahnung, was daran hätte schwierig sein sollen 😉
Ein Highlight in Luang Prabang war der morgendliche Almosengang der Mönche. Direkt an der Strasse vor unserem Guesthouse durften wir dieser Zeremonie beiwohnen. Bereits um 6 Uhr in der Früh ging es los, die Einwohner hatten sich auf Plastikstühlchen niedergelassen und erwarteten die Mönche, um diese mit Essen zu versorgen. Das Gute an unserem Standort war, dass wir weit und breit die einzigen Touristen waren, alle anderen versammeln sich jeweils an der Tourist Street im Zentrum von Luang Prabang. Dort scheint die Zeremonie aber nicht mehr wirklich einen spirituellen Hintergrund zu haben, sondern fast ausschliesslich für die Touristen durchgeführt zu werden. Da hatten wir doch wirklich Glück und erfreuten uns sehr an diesem für uns komplett fremden Spektaktel.

Kuang Si Wasserfall
Butterfly Park
Night Market
Almosengang der Mönche

Unsere Zeit im Norden von Laos ist sehr schnell vorbei gegangen, bereits heute Abend geht es für uns per Propellerflugzeug nun weiter nach Hanoi. Das französische Flair, welches hier in Laos herrscht, hat uns nicht zuletzt wegen des feinen Essens sehr gefallen. Die Bevölkerung war zuvorkommend und freundlich, die Atmosphäre gelassen und entspannt. Wir genossen es enorm, dass hier im Vergleich zu Myanmar nur im äussersten Notfall gehupt wird und nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit. In Vietnam werden wir uns da wohl wieder auf andere Verhältnisse einstellen müssen, aber die Vorfreude ist gross und das sollten wir – so ausgeruht wie wir jetzt sind – ja wohl gut hinbekommen 😉

Französisches Flair im Norden von Laos
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2 thoughts on “Französisches Flair im Norden von Laos

  • 06/11/2017 at 20:55
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    Hei ihr zwei Hübschen, super Erlebnisse habt ihr da und wirklich sehr gut beschrieben wie Markus richtigerweise erwähnte?! Seid ihr nun wirklich schon 3 Monate unterwegs!? Wahnsinn wie die Zeit vergeht. Ausser den Norden von Vietnam haben wir auch alles besucht. Vor allem die Fahrt von Vientan nach Luang Prabang hat es wirklich in sich?. Aber das mit dem Walhai ist natürlich der Oberhammer???????. Andere Taucher würden tausende franken zahlen und ihr seht beim ersten Tauchgang schon einen das muss ein Wahnsinns Erlebnis gewesen sein?! Wünsch euch weiterhin super Erlebnisse und bin gespannt auf weitere Berichte. Alles Gute, Stewi

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    • 07/11/2017 at 18:12
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      Lieber Stewi, vielen herzlichen Dank für deinen lieben Kommentar, wir haben uns sehr darüber gefreut! 🙂 Ja, die Zeit rast, seit 2 Monaten sind wir nun bereits unterwegs und durften schon extrem viele unvergessliche Erfahrungen machen. Das Schnorcheln mit dem Walhai war umwerfend, wir können unser Glück auch jetzt immer noch kaum fassen… Wir hoffen, bei euch zu Hause ist ebenfalls alles in Ordnung und freuen uns, bald wieder von dir zu hören! Ganz liebe Grüsse, Patrick und Andrea

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