Drei spannende Tage hatten wir im Gebiet des Amazonas verbracht. Nun erfolgte wieder ein kompletter Szenewechsel. Mit dem Flugzeug ging es von Iquitos nach Cusco. Schon der Anflug war spektakulär, da Cusco auf 3400 Metern liegt, umgeben von vielen imposanten Hügeln. Cusco war früher die Hauptstadt des Inkareiches und gilt heutzutage als eines der beliebtesten Touristenziele in Peru. Grund hierfür ist, dass sich eines der sieben neuen Weltwunder, die Inkastätte Machu Picchu, nicht allzu weit weg von Cusco befindet.

In Cusco die Baukunst der Inkas bestaunen

Um uns einen Überblick über Cusco zu verschaffen, schlossen wir uns gleich am ersten Tag einer Free Walking Tour an. Dies hatten wir auf unserer Weltreise ja schon einige Male getan. Ein lokaler Guide führte uns in einigen Teilen der Stadt herum und erklärte uns Vieles über die Entstehung von Cusco, sowie die Bedeutung der Stadt im Laufe der Jahrhunderte. Auffallend ist vor allem die unglaublich präzise Bauweise der Inkas. Man findet in Cusco auch heute noch viele Mauern aus der Zeit der Inkas. Das Besondere an den Mauern ist, dass die Steine perfekt zusammengefügt wurden. Zwischen den Steinen findet man weder Füllmaterial noch Spalten. Faszinierend ist zudem, dass es bis heute ein ungelöstes Rätsel ist, wie die Inkas diese zum Teil tonnenschweren Brocken aus den umliegenden Bergen nach Cusco schaffen und sie so präzise verarbeiten konnten. Die Free Walking Tour führte uns an vielen interessanten Gebäuden und Plätzen vorbei. Sie endete in einer Bar, von welcher aus wir einen grossartigen Blick auf Cusco hatten. Als Belohnung gab es dort auch noch einen Pisco Sour, das Nationalgetränk der Peruaner.

  

Hoch über der Stadt beim Cristo Blanco

Einen Tag, bevor es endlich mit dem Inka Trail losging, wollten wir noch einen Ausflug ins Sacred Valley oder zu den Salzminen von Maras machen. Aufgrund dessen, dass sich Patrick und seine Schwester Tina aber nicht besonders gut fühlten, und am Abend zuvor sogar leicht Fieber gehabt hatten, strichen wir diese Aktivitäten wieder. Denn wir wollten uns die Möglichkeit, den Inka Trail zu machen, auf keinen Fall nehmen lassen. Zumal wir ihn schon vor über fünf Monaten hatten buchen müssen. Deswegen blieben wir in Cusco und besuchten lediglich den Cristo Blanco, der auf einem Hügel über der Stadt trohnt und ähnlich aussieht wie die Christusstatue in Rio de Janeiro. Ein Taxi brachte uns bis an den Fuss der Statue, sodass wir kaum einen Meter weit gehen mussten. Die Aussicht auf Cusco konnte sich tatsächlich sehen lassen. Für den Rückweg entschieden wir uns dann allerdings, zu Fuss in die Stadt hinunterzulaufen. Ein bisschen Bewegung musste an diesem Tag doch noch sein, auch wenn Patrick und Tina immer noch nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte waren.

Am Abend hatten wir noch das Briefing mit unserem Touranbieter. Dort bekamen wir letzte Infos zum Inka Trail und fassten unsere Duffelbags. In diese Taschen konnten wir im Hostel unsere Habseligkeiten packen. Sie durften allerdings nicht schwerer als sieben Kilogramm sein, inklusive dem Schlafsack, den wir bekamen, und der alleine schon zwei Kilogramm schwer war. Es hiess also, sich auf das Nötigste zu beschränken.

Endlich geht es los mit dem Inka Trail!

Nach einer kurzen Nacht mit wenig Schlaf, wurden wir bereits um 04:40 Uhr in unserem Hostel abgeholt. Nervös, aber voller Vorfreude, ging es nun endlich los mit dem Inka Trail. Bevor wir jedoch losmarschieren konnten, mussten wir zuerst noch etwa zwei Stunden mit dem Bus fahren. Startpunkt des Inka Trails ist der Kilometer 82, der am Ufer des Flusses Urubamba liegt. Von dort aus führt der klassische Inka Trail über rund 45 Kilometer und drei Pässe bis zum Machu Picchu, den man am vierten Tag erreicht. Seit 2001 darf man den Inka Trail nur noch im Rahmen einer geführten Tour ablaufen. Ausserdem wurde 2004 die Zahl der Wanderer, die pro Tag aufbrechen, auf 500 Personen limitiert. Wegen dieser Einschränkungen und seiner grossen Beliebtheit muss man den Inka Trail deswegen heutzutage meistens schon ein halbes Jahr im Voraus buchen. Umso glücklicher waren wir, als wir nun tatsächlich bei Kilometer 82 standen und einen unserer grössten Wünsche in Angriff nehmen konnten. Denn schon als wir vor über einem Jahr auf unsere Weltreise aufgebrochen waren, hatten wir gesagt, dass der Inka Trail zum Machu Picchu einer unserer grössten Träume sei.

Tag 1 – der Trainingstag

Nach einem leckeren Frühstück und einer letzten Kontrolle unseres Materials waren wir abmarschbereit. Zuerst mussten wir noch durch eine Passkontrolle. Als wir dieses Verfahren überstanden hatten, machten wir das obligate Gruppenfoto bei der Tafel, die den Startpunkt des Inka Trails markiert. Und anschliessend ging es dann wirklich endlich los. Der erste Tag stand unter dem Motto „Trainingstag“. Da der Weg nicht speziell steil nach oben oder nach unten ging, konnten wir uns ideal an die Höhe und die Umgebung gewöhnen. Ausserdem bekamen unsere Guides einen kleinen Eindruck von unserem Fitnessstand, damit sie beurteilen konnten, ob wir diesen Trek auch schaffen würden. Am ersten Tag waren wir insgesamt etwa sieben Stunden unterwegs. Zwischendurch machten wir immer mal wieder Pausen, um die Landschaft zu bestaunen. Auch besuchten wir eine Inkastätte, in welcher uns einer der Guides ein bisschen etwas über die Inkakultur erzählte. So ging dieser Tag relativ schnell vorbei, und im Laufe des Nachmittags hatten wir unser Nachtlager erreicht. Dort waren die Zelte von den Portern, unseren Heinzelmännchen, bereits aufgebaut worden. Wir mussten uns nur noch kurz einrichten und durften dann bereits den Apéro und das Nachtessen geniessen. Bald darauf hiess es ab ins Bett. Da es am nächsten Tag wieder früh weiterging, und wir alle unsere Energietanks aufladen mussten, war kurz nach acht Uhr schon Nachtruhe. Wir kuschelten uns in den warmen Schlafsack und waren froh, dass wir den ersten Tag relativ schadlos überstanden hatten.

Tag 2 – das härteste und längste Wegstück

Mit einem heissen Coca-Tee wurden wir weit vor Sonnenaufgang geweckt. Nach dem Frühstück ging es dann auch direkt schon los, denn der anstrengendste Tag wartete auf uns. Nicht nur mussten wir an diesem zweiten Tag auf dem Inka Trail gegen 1000 Höhenmeter erklimmen, auch war das 16 Kilometer lange Wegstück das längste dieser vier Etappen. Schon kurz nach dem Start begann die Steigung Richtung Death Woman’s Pass, dem höchsten Punkt auf dem Inka Trail. Auf Grund der Höhe und der Steigung kamen wir nur sehr langsam voran, denn das Laufen war brutal anstrengend. Aber steter Tropfen höhlt den Stein, und so näherten auch wir uns unaufhaltsam dem ersten Etappenziel, der Passhöhe auf 4200 Metern. Durchgeschwitzt und ausser Atem erreichten wir den Death Woman’s Pass. Nun konnte es nur noch besser werden! Aber weit gefehlt, denn noch während des Mittagessens setzte leider der Regen ein. So mussten wir die nächste Etappe, einen weiteren Aufstieg zum Runcuraccay Pass, dick eingepackt in unsere Regenponchos unter die Füsse nehmen. Das war definitiv nichts Angenehmes! 🙁 Leider liess der Regen den ganzen Nachmittag über nicht nach. Irgendwann waren nicht nur unsere Schuhe und die Hosen durchnässt, sondern die ganze Kleidung… Es fühlte sich zumindest so an. Aber als wir eine weitere Ruine einer früheren Inkastätte erreicht hatten, hatte Petrus endlich ein Nachsehen mit uns. Der Regen hörte auf, sodass wir die Inkastätte in aller Ruhe besichtigen konnten. Und als wir nach einem anstrengenden Tag unser zweites Nachtlager erreicht hatten, schien sogar nochmals ein bisschen die Sonne. Das war doch ein versöhnlicher Abschluss eines sehr intensiven Tages.

 

Tag 3 – das Ziel ist in Griffnähe

Der dritte Tag des Inka Trails auf den Machu Picchu begann für einmal richtig spät. Wir konnten nämlich bis um sechs Uhr ausschlafen! 🙂 Das tat gut, denn mittlerweile spürten wir alle eine leichte Müdigkeit und einen fiesen Muskelkater in den Beinen. Aber wir hatten schliesslich schon mehr als die Hälfte der Strecke geschafft. Deswegen liefen wir auch an diesem Tag wieder frohen Mutes los. Ausserdem war der dritte Tag ein eher gemütlicher, mussten wir doch bloss zehn Kilometer schaffen, und es ging hauptsächlich den Berg hinunter. Nachdem wir nochmals eine sehr schöne und gut erhaltene Inkastätte besucht hatten, trafen wir schon zum Mittagessen in unserem letzten Nachtlager ein. Dort wartete sogar eine eiskalte Dusche auf diejenigen, die sich nicht mehr gedulden wollten. Tina und Andrea begnügten sich allerdings mit Trockenshampoo, um den Haaren wieder ein bisschen neuen Glanz zu verleihen. 😀
Am Nachmittag besuchten wir eine weitere Inkaruine, die nur gerade fünf Minuten vom Nachtlager entfernt lag. Den Rest des Tages bis zum Abendessen konnten wir uns ausgiebig erholen. Auch das letzte Abendessen schmeckte nochmals grossartig, wie alle anderen Mahlzeiten, die wir bisher bekommen hatten. Der Koch tischte sogar noch eine Torte auf, als kleine Belohnung dafür, dass wir den Inka Trail fast geschafft hatten. Mit vollem Bauch gingen wir auch an diesem dritten Tag früh ins Bett. Denn Tagwache am letzten Tag war um drei Uhr!

     

Tag 4 – Ankunft auf dem Machu Picchu

Zu einer fast schon unmenschlichen Zeit wurden wir an diesem letzten Tag geweckt. Viel Zeit hatten wir nicht, um wach zu werden. Denn unser Ziel war es, den letzten Checkpoint als eine der ersten Gruppen zu erreichen. An diesem Checkpoint werden nochmals alle Teilnehmer des Inka Trails kontrolliert. Das Tor dort öffnet um 05:30 Uhr und markiert den Start der letzten Etappe auf dem Weg zum Machu Picchu. Vom Checkpoint bis zum berühmten Sonnentor, von welchem aus man ein erstes Mal auf den Machu Picchu hinunter sieht, dauert es nochmals knapp eine Stunde. Da wir bereits um kurz vor halb vier Uhr beim Checkpoint eintrafen, waren wir tatsächlich die erste Gruppe dort. Das war zwar toll, aber nun mussten wir noch über zwei Stunden Zeit totschlagen. Und viel machen konnte man dort nicht. Immerhin hatte es einige Sitzgelegenheiten, die es uns erlaubten, uns nochmals etwas auszuruhen. Als der Checkpoint dann endlich öffnete, marschierten wir in einem horrenden Tempo Richtung Sonnentor. Wir wollten unsere Spitzenposition ja schliesslich nicht mehr aus den Händen geben. Und in unserem Rücken lauerten alle anderen Gruppen, die gleichzeitig wie wir auf dem Inka Trail unterwegs waren. So sprinteten wir schon fast zum Sonnentor, welches wir wieder einmal ziemlich ausser Atem und durchgeschwitzt erreichten. Da der Himmel um diese frühe Uhrzeit immer noch wolkenverhangen war, und sich dichter Nebel in den Tälern festgesetzt hatte, sahen wir vom Machu Picchu noch nicht allzu viel. Unser Guide versicherte uns aber, dass wir nur ein bisschen Geduld haben müssten. Spätestens im Laufe des Vormittages würde sich die Sonne dann schon noch durchsetzen. Deswegen genossen wir zuerst eine Führung durch die ganze Inkastätte, die zu dieser Stunde noch wenig besucht war. Endlich, endlich waren wir an unserem Ziel angekommen!

  

Einen langersehnten Wunsch erfüllt

Nach gut vier Tagen auf dem Inka Trail hatten wir also das Ziel unserer Träume erreicht: Machu Picchu! Die sagenumwobene Inkastätte, die erst vor etwas mehr als 100 Jahren so richtig wiederentdeckt wurde und heute zu einer der grössten Touristenattraktionen in Südamerika zählt. Überglücklich liessen wir uns von unserem Guide in den Ruinen herumführen. Wir genossen die Ruhe sehr, denn spätestens in ein paar Stunden würde der Machu Picchu von den Tagestouristen überrannt werden. Da wir in den letzten Tagen erst wenig gelaufen waren (Scherz 😉 ), erklimmten wir nach der Führung auch noch den Huayna Picchu, den zuckerhutförmigen, kleineren Gipfel hinter dem Machu Picchu. Von dort oben hatten wir eine super Aussicht auf die ganze Anlage. Mehrere Stunden waren wir insgesamt auf dem Gebiet des Machu Picchu unterwegs. Nachdem wir auch noch die obligaten Touristenfotos im Kasten hatten, war es dann aber an der Zeit, nach Aguas Calientes aufzubrechen. Dieses Dorf liegt rund acht Kilometer vom Machu Picchu entfernt. Nach einem letzten Mittagessen mit unserer Gruppe und den Guides, brachte uns der Zug zurück nach Cusco. Vier unglaublich ereignisreiche und unvergessliche Tage neigten sich dem Ende zu. Wir waren stolz, dass wir die ganze Strecke des Inka Trails ohne grössere Probleme zurückgelegt hatten. Dass wir uns somit einen unserer grössten Wünsche erfüllen konnten, machte das ganze Abenteuer umso spezieller.

Ein Traum wird wahr: Auf dem Inka Trail zum Machu Picchu
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2 thoughts on “Ein Traum wird wahr: Auf dem Inka Trail zum Machu Picchu

  • 28/11/2018 at 14:57
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    Eifach es super Erlebniss und ganz bestimmt unvergässlich!!

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    • 09/12/2018 at 00:31
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      Definitiv 😉 Mir sind so froh, dass mer dä Inka Trail händ chöne mache! Und Machu Picchu isch eifach WOW!

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