Dass es uns auf unserem Weltreisli überhaupt nach Calgary verschlug, war ein bisschen ein Produkt des Zufalls. Ursprünglich hatten wir im Sinn gehabt, die Stadt Vancouver und den Westen von Kanada zu bereisen. Wir wollten mit einem Campervan in dieser Region herumkurven. Leider merkten wir bei unserer Recherche aber schnell einmal, dass wir uns für den Aufenthalt in Kanada natürlich genau die Hauptsaison ausgesucht hatten. Dies bedeutete, dass die Preise für die Camper und für die Unterkünfte bereits weit über unser Budget gestiegen waren, weil die Nachfrage so hoch war. Auch waren enorm viele Unterkünfte bereits seit Monaten restlos ausgebucht. An ein spontanes Herumfahren war während der Hochsaison also absolut nicht zu denken. Wir mussten wohl oder übel einsehen, dass wir uns einen solchen Trip auf dieser Reise nicht leisten konnten, respektive auch nicht wollten. Die Reise wäre viel zu teuer geworden und hätte uns jegliche Flexibilität genommen. Aber aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben. Wir hoffen deswegen einfach schon jetzt, dass es für uns irgendwann doch mal noch eine Reise in den Westen von Kanada geben wird.

Wohin nun des Weges?

Da der Westen also wegfiel, musste eine neue Destination gefunden werden, die wir nach Hawaii ansteuern konnten. Denn nach Kanada wollten wir trotzdem. Nicht zuletzt auch, weil Andrea’s Gotte mit ihrer Familie dort lebt und wir sie auf unserer Reise um die Welt unbedingt besuchen wollten. Patrick hatte vor einigen Monaten einmal per Zufall ein sehr unterhaltsames Video über die Stampede in Calgary gesehen. Die Stampede ist gemäss den Veranstaltern die grösste Outdoor Show der Welt und ein bisschen vergleichbar mit der Olma in der Schweiz, nur um ein Vielfaches grösser. Es finden dort jeden Tag ein Rodeo und eine grosse Abendshow mit Planwagenrennen statt. Sachen, die für uns Europäer nicht alltäglich und daher besonders interessant sind. Da die Stampede immer anfangs Juli stattfindet, passte ein Aufenthalt in Calgary zu dieser Zeit also ideal. Deswegen machten wir Nägel mit Köpfen und buchten unseren Flug von Honolulu (via Vancouver 😉 ) in die Stadt der Olympischen Winterspiele von 1988.

Vielen Dank, liebe Homeland Security!

Unser Start am Flughafen in Calgary begann dann aber leider mit einer eher mühsamen und unschönen Überraschung. Andrea’s Schloss am Rucksack war nämlich von irgendeinem netten Beamten der US Homeland Security aufgebrochen worden. Ärgerlich war dies vor allem, da es sich extra um ein TSA-Schloss gehandelt hatte, welches problemlos mit einem speziellen Schlüssel ohne Gewaltanwendung aufgemacht werden konnte. Obwohl wir die Verursacher gerne zur Verantwortung gezogen hätten, merkten wir schnell, dass sich die ganze Aufregung nicht lohnt. Zu kompliziert und zeitintensiv wäre es gewesen, einen Schadensreport auszufüllen. Eine Tatsache, die uns natürlich nicht sonderlich überrascht hat. So schluckten wir den Ärger wohl oder übel runter und erfreuten uns stattdessen an den sehr hilfsbereiten und freundlichen Mitarbeitern am Flughafen von Calgary.

The Greatest Outdoor Show on Earth

Die Stampede dauerte ingesamt zehn Tage. Sie begann am 6. Juli mit einer grossen Strassenparade durch die ganze Stadt. Mehrere hundert Personen nahmen in ihren Uniformen und Kostümen zu Fuss oder zu Pferd daran teil. Ein riesiges Spektakel auch für die Einheimischen, die zu Tausenden die Strassenränder säumten und dem Treiben zuschauten. Neben der Parade begnügten wir uns mit zwei Tagen, an denen wir auf dem Gelände der Stampede herumliefen und die verschiedenen Attraktionen bewunderten. Dominiert wurde der ganze Anlass vor allem von einem riesigen Jahrmarkt mit Achterbahnen und Glücksspielständen, an denen man überdimensional grosse Plüschtiere gewinnen konnte. Daneben gab es etwa ähnlich viele Essensstände mit einer enormen Auswahl an Leckereien. Besonders interessiert waren wir an den Tipis der First Nations. Schon von aussen sahen die Zelte eindrücklich aus. Zu bestimmten Zeiten durfte man sie auch von innen begutachten, was sehr spannend war. Wir besuchten ausserdem eine FMX-Show, bei der ein paar der weltbesten Freestyle Motocross Fahrer ihre Tricks zeigten. Wahnsinn, was für Sprünge sie auf Lager hatten und wie hoch sie über unseren Köpfen durch die Luft flogen.

Lustig war auch eine Show mit Hunden, bei welcher die Vierbeiner verschiedene Tricks präsentierten. Sie machten Wettrennen, fingen Frisbees aus der Luft oder übten sich sogar im Hunde-Weitsprung. Die beiden Highlights der Stampede waren aber ganz klar das Rodeo und die grosse Abendshow mit den Planwagenrennen. Beide Events dauerten mehrere Stunden und waren sehr unterhaltsam. Beim Rodeo gab es unglaublich viele Kategorien, in welcher die Cowboys ihr Können zeigten. Die Abendshow war vor allem auf die Planwagenrennen ausgelegt. Während die ersten paar Läufe noch lustig waren, wiederholte sich die ganze Prozedur jedoch irgendwann und wurde mit der Zeit etwas langweilig. Aber zum Glück folgte im Anschluss dann noch eine riesige Unterhaltungsshow. Bei dieser hatte neben einem Comedian, einem Illusionisten und mehreren Musikern auch noch Eddie the Eagle seinen Auftritt. Dies wieder in Anlehnung an die Olympischen Winterspiele, die vor 30 Jahren in Calgary stattgefunden haben. Den Abschluss der Show bildete dann standesgemäss noch ein grosses Feuerwerk.

     

Wir haben uns an der Stampede auf jeden Fall gut unterhalten. Das Gelände war wirklich gross und es gab enorm viel zu erleben. Zwei Tage reichten aus unserer Sicht jedoch vollkommen aus, da sich vieles mit der Zeit etwas wiederholt hat und wir ja nicht gut den ganzen Tag nur essen konnten. 😀 À propos Essen: Zur Stampede gehören auch die Free Breakfast, die während dieser zehn Tage jeweils an verschiedenen Orten in Calgary angeboten werden. So kamen auch wir in den Genuss einiger Pfannkuchen, für die wir jedoch gut und gerne eine halbe Stunde anstehen mussten… 😀

Und was es neben der Stampede sonst noch so zu sehen gibt…

Da wir insgesamt über zwei Wochen in Calgary blieben, und nicht jeden Tag die Stampede besuchen wollten, hatten wir auch noch ganz viel Zeit für andere Aktivitäten. Mehrmals machten wir schöne Spaziergänge am Ufer des Bowrivers entlang. Die Uferpromenade wurde aus unserer Sicht sehr schön gestaltet. Auch wenn leider Bademöglichkeiten fehlen, weil das Wasser des Flusses viel zu niedrig ist und es teilweise gefährliche Strömungen hat, bieten die beiden Inseln St. Patrick’s Island und Prince’s Island Park viele Möglichkeiten, um sich hinzulegen und die Sonne zu geniessen. Auch sonst findet man in der Stadt einige Sehenswürdigkeiten wie den Calgary Tower, die Olympic Plaza oder die Peace Bridge. In ganz Calgary verteilt befinden sich zudem viele Statuen und Skulpturen ganz unterschiedlicher Art. Was wir ebenfalls toll fanden, war, dass die Stephen Avenue durchs Stadtzentrum hindurch autofrei war. Gerade weil die viertgrösste Stadt Kanadas überschaubar «klein» ist, haben wir unseren Aufenthalt dort sehr genossen. Ausserdem haben wir an zwei Tagen auch noch den Banff National Park besucht, über den wir euch gerne im nächsten Blog mehr erzählen.

 

Ein Hauch Wilder Westen in Calgary
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