Die letzten beiden Wochen in Neuseeland verbrachten wir grösstenteils in Auckland und Umgebung. Wir durften uns, wie schon zu Beginn unserer Reise, nochmals bei Andreas ehemaliger Arbeitskollegin Jessica und ihrer Familie einquartieren, was wir natürlich auch dieses Mal enorm genossen haben. Bevor wir uns allerdings definitiv in Auckland niederliessen, ging es nochmals auf Entdeckungsreise. Denn eine Region, die wir unbedingt noch erkunden wollten, war Northland, im Norden von Auckland. Mit unserem treuen Weggefährten «Sheepy» nahmen wir deshalb die Strecke bis hinauf zum Cape Reinga in Angriff.

Sanddünen, riesige Bäume und Glühwürmchen

Das Cape Reinga ist der nordwestlichste Punkt von ganz Neuseeland. Es liegt gut sechs Autostunden von Auckland entfernt auf der Aupouri Peninsula. Ein hübscher kleiner Leuchtturm markiert diesen speziellen Punkt in einer wunderbaren Landschaft. Hier treffen zwei Wassermassen aufeinander, der Pazifische Ozean und die Tasmansee. Eine Tatsache, die man als Laie von blossem Auge aber nicht wirklich erkennen kann 😉 Ein bisschen unterhalb des Cape Reinga liegen die Giant Sand Dunes von Te Paki. Sie sind tatsächlich riesig und laden zum Sandboarden ein, was wir natürlich auch ausprobiert haben. Obwohl wir schlussendlich von Kopf bis Fuss mit Sand zugekleistert waren, hatten wir enormen Spass.

Am nächsten Tag erkundeten wir den Waipoua Forest. In diesem Wald findet man ganz viele Kauribäume. Berühmt sind dabei vor allem der Tane Mahuta und der Te Matua Ngahere, die beiden grössten erhaltenen Kauribäume von ganz Neuseeland. Man kann ihr Alter leider nicht ganz genau bestimmen, aber Schätzungen variieren zwischen 1200 und 2000 Jahren. Ihr Anblick war dann auch entsprechend eindrücklich und wir kamen uns ziemlich klein daneben vor.

Auf dem Rückweg nach Auckland machten wir noch einen Stopp bei den Waipu Caves. In diesen Höhlen lebt eine grosse Kolonie Glühwürmchen. Obwohl wir schon vor einigen Wochen bei den Waitomo Caves eine Tour zu Glühwürmchen unternommen hatten, legten wir hier einen Halt ein. Denn die Höhlen können kostenlos besichtigt werden und nach knapp fünf Minuten Klettertour ist man schon direkt bei den kleinen Tierchen. Auch dieses Mal hat uns ihr Anblick fasziniert. Es war erneut, wie wenn wir direkt in den Sternenhimmel schauen würden.

Goodbye Sheepy

Zurück in Auckland hatten wir vor unserer Abreise aus Neuseeland noch ein grosses Projekt am Laufen. Wir mussten unbedingt unseren Campervan «Sheepy» weiterverkaufen. Leider stellte sich dieses Unterfangen relativ schnell als ziemlich schwierig heraus. Das Problem war, dass es mittlerweile ja Herbst geworden war und die Nachfrage nach Campervans auf den Winter hin kaum mehr vorhanden war. Ausserdem waren wir bei Weitem nicht die einzigen, die ihr Auto loswerden wollten. Dies führte zu einem völligen Überangebot und entsprechend wenig Interessenten. Nachdem wir zuerst erfolglos auf verschiedenen Onlineplattformen für Sheepy geworben hatten, und auch eine erste Preissenkung keine Wirkung zeigte, starteten wir eine letzte Grossoffensive. Wir gingen mit dem Preis nochmals ein Stück nach unten und besuchten in Auckland eine sogenannte Carfair. Immer samstags und sonntags treffen sich dort Leute, die ihr Auto verkaufen wollen. Natürlich waren wir an jenem Samstag nicht die einzigen mit dieser Idee. Schon kurz nach Beginn waren praktisch alle Plätze belegt und unzählige andere Backpacker warteten mit ihren Autos auf potentielle Kunden. In den ersten zwei, drei Stunden ging jedoch so gut wie nichts. Auf rund 100 Verkäufer kamen vielleicht 10 potentielle Käufer, die meisten davon Autohändler, die auf günstige Deals aus waren. Wir konnten dem ganzen Prozedere immerhin einigermassen entspannt zuschauen, denn wir hatten glücklicherweise noch zwei Trümpfe im Ärmel. Zum einen hatte sich am Abend zuvor ein interessierter Käufer online gemeldet, der uns aber weniger als den von uns geforderten Preis zahlen wollte. Zum anderen hatte uns Jessica angeboten, das Auto bei ihr zu lassen. Sie würde es dann im kommenden Frühling, wenn die Nachfrage wieder steigt, für uns verkaufen. So war es für uns nicht weiter schlimm, dass praktisch keine Käufer ihren Weg zur Carfair fanden. Die Stimmung bei den anderen Verkäufern war aber ziemlich angespannt. Viele waren dringend darauf angewiesen, ihr Auto loszuwerden. Nur war leider kaum jemand erfolgreich, soweit wir dies mitbekommen hatten. Umso erstaunter waren wir, als aus dem Nichts plötzlich ein Händler auftauchte, der sehr an unserem Sheepy interessiert war. Nach einer kurzen Probefahrt bot er uns den gleichen Preis wie schon der Händler, der sich online bei uns gemeldet hatte. Natürlich hatten wir im Vorfeld gehofft, noch einen leicht besseren Preis herausschlagen zu können. Da wir das Kapitel «Autokauf – Autoverkauf» jedoch gerne vor der Abreise aus Neuseeland abschliessen wollten, willigten wir schliesslich trotzdem in sein Angebot ein. Sheepys Schicksal war soeben besiegelt worden! Klar, wir hätten das Auto auch behalten und bei Jessica lassen können, dann hätten wir es im nächsten Frühling vermutlich für einen besseren Preis verkaufen können. Aber für uns war es ein besseres Gefühl, das Kapitel direkt vor Ort abzuschliessen und ohne Altlasten weiterzureisen. Für uns bleiben viele gute Erinnerungen an die Zeit mit Sheepy, der uns zum Glück nie im Stich gelassen und uns sicher in ganz Neuseeland herumgefahren hat.

Auf Erkundungstour in und um Auckland

Die letzten Tage in Neuseeland konnten wir nach dem Autoverkauf somit noch völlig entspannt geniessen. Wir machten einige Ausflüge in Auckland und Umgebung. Zum Beispiel besuchten wir ein Rugbyspiel der Auckland Blues gegen die Otago Highlanders im Eden Park. Vom Erlebnis her war es vergleichbar mit dem Cricketspiel, das wir vor einigen Wochen in Melbourne besucht hatten. Viele Zuschauer waren gar nicht wirklich am Geschehen auf dem Rasen interessiert, sondern trafen sich primär auf ein Bier und Pommes im Stadion. Die Atmosphäre war dementsprechend auch nicht sonderlich grossartig. Hinzu kam, dass das Heimteam einen eher schwachen Auftritt hinlegte, was anscheinend seit Längerem nichts Neues ist. Für uns war es trotzdem unterhaltsam, eine weitere, in der Schweiz eher wenig populäre Sportart kennenzulernen. Gerne hätten wir natürlich ein Spiel der weltbekannten Neuseeländischen Nationalmannschaft, der All Blacks, gesehen, aber dafür hätten wir bis im Juni warten müssen.

  

Zusammen mit Jessica und ihren beiden Knaben machten wir an einem Tag einen Ausflug auf den Mount Eden. Das ist einer der vielen Vulkane, die sich im Gebiet von Auckland erheben. Von zuoberst hatten wir einen tollen Ausblick auf die ganze Stadt und den Krater.

Hobbiton

Das Hobbiton Movie Set liegt etwa zwei Autostunden südlich von Auckland. Dort wurden Szenen für die «The Lord Of The Rings» und «The Hobbit» Filme gedreht. Das ganze Gelände war unter Regie von Filmdirektor Sir Peter Jackson eigens für die Filme aufgebaut worden. Heutzutage kann man im Rahmen einer geführten Tour immer noch einige Filmlocations, darunter die bekannten Hobbithäuschen, besuchen. Da Patrick vor sechs Jahren schon einmal in Neuseeland gewesen war und einen Ausflug dorthin unternommen hatte, war er bei diesem Besuch nur der persönliche Fahrer von Andrea 😉 Aber Andrea konnte sich die Tour schlecht entgehen lassen. Denn sie hatte zu Beginn unserer Reise endlich geschafft, was sie sich schon seit gefühlten 20 Jahren vorgenommen hatte: die «Herr der Ringe Bücher» zu lesen und die Filme anzuschauen 😀 So wurde sie auf der 2-stündigen Tour durch Hobbiton in einige Filmgeheimnisse eingeweiht und konnte sich das sehr aufwändig gestaltete Filmset aus nächster Nähe anschauen.

ANZAC Day

Ein spezieller Tag wartete am 25. April auf uns. An diesem Tag feiern die Neuseeländer und die Australier jedes Jahr den ANZAC Day. ANZAC steht als Abkürzung für Australian and New Zealand Army Corps und beschreibt einen gemeinsamen Armeekorps dieser beiden Länder im Ersten Weltkrieg. In Gedenken an die gefallenen Soldaten gab es überall im ganzen Land Paraden. Wir machten uns frühmorgens auf den Weg zur Auckland Domain, wo eine grosse Gedenkfeier stattfand, an der sogar die Neuseeländische Premierministerin teilnahm. Auch wenn wir keinen persönlichen Bezug zum ANZAC Day haben und es für uns in der Schweiz nichts Vergleichbares gibt, war es spannend, bei diesen Feierlichkeiten dabeizusein. Weil dieser Tag ein gesetzlicher Feiertag ist, hatten viele Neuseeländer frei. Für uns ergab dies die Möglichkeit, ein Pärchen zu treffen, das wir ganz zu Beginn unserer Reise auf einer Trekkingtour in Myanmar kennengelernt hatten. Die beiden Kiwis zeigten uns einige schöne Stadtteile von Auckland und wir verbrachten ein paar gemütliche Stunden zusammen.

Dann hiess es leider tatsächlich Abschied nehmen von Neuseeland und unseren lieben Freunden in Auckland. Nachdem wir einen wundervollen Abschlussabend mit Jessica und ihrer Familie verbracht hatten, war es an der Zeit, unsere Rucksäcke zu packen. Die zwei Monate in Aotearoa, dem wundervollen Neuseeland, waren viel zu schnell vorbei gegangen. Wir sind sehr dankbar, dass uns unsere Reise in dieses enorm schöne Land geführt hat, das mit so vielen landschaftlichen Besonderheiten auftrumpfen kann. Von Stränden mit riesigen Sanddünen über Vulkane bis hin zu Bergen, Gletschern und Fjorden gab es jeden Tag etwas Spezielles zu erleben oder zu entdecken. Es gefiel uns so gut, dass wir hoffentlich bald wieder einmal ans andere Ende der Welt reisen können. An dieser Stelle möchten wir uns auch nochmals ganz, ganz herzlich bei Jessica und Murray bedanken. Wir sind enorm froh, dass wir bei euch wohnen durften und ihr so viel mit uns unternommen habt. Wir werden euch ganz fest vermissen und freuen uns schon auf unser Wiedersehen…

Ein erlebnisreicher Abschied von Neuseeland
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