Wettertechnisch gesehen hatten wir auf unserer Reise in Neuseeland bisher ja schon einige regenreiche Tage und massiv kühlere Temperaturen erdulden müssen. Was nun aber in den nächsten Tagen auf uns zukommen sollte, übertraf alles bei Weitem. Ein Schneesturm aus der Antarktis hatte sich für die nächsten Tage angekündigt und unsere Pläne gewaltig durchkreuzt. Er brachte eisige Temperaturen (beispielsweise -18 Grad auf 1700 m.ü.M) und Schneefall auf bis zu 300 m.ü.M. mit sich. Dafür war unsere spärliche Kleiderauswahl definitiv nicht geschaffen. Und da auf die Schnelle keine Besserung in Sicht war, gab es für uns nur eine Möglichkeit: Wir kehrten der Südinsel den Rücken und flohen zurück auf die Nordinsel. Wie knapp wir dem Schneesturm dabei entkamen, merkten wir allerdings erst, als wir die Fähre für den nächsten Tag buchen wollten. Denn online war das bereits nicht mehr möglich und am Telefon bekamen wir die Auskunft, es sei ungewiss, ob der Fährverkehr in den nächsten Tagen überhaupt angeboten werden könne. Zum Glück konnten wir noch am gleichen Tag eine Fähre spätabends ergattern, welche uns von Picton nach Wellington zurückbrachte.

Der Wärme entgegen Richtung Taupo

Da wir die Hauptstadt Neuseelands, Wellington, bereits auf dem Weg auf die Südinsel ausgiebig erkundet hatten, gaben wir uns dieses Mal mit einem simplen Übernachtungsstopp zufrieden. Der nächste Tag bestand dann hauptsächlich aus Auto fahren, denn es regnete ununterbrochen und war unangenehm kalt. Via Masterton, Dannevirke und Napier erreichten wir Taupo. Unterwegs hatten wir mehrmals das Vergnügen, frisch verschneite Berggipfel aus der Ferne zu betrachten. Der Schnee war also auch auf der Nordinsel angekommen. Aber da wir in den nächsten Tagen nur Aktivitäten im „Flachland“ geplant hatten, kamen wir physisch wenigstens nicht damit in Kontakt.

In Taupo blieben wir nur für eine Nacht. Wir besichtigten dort die Huka Falls, einen beeindruckenden Wasserfall. Wobei nicht seine Höhe beeindruckend ist, sondern die Masse an Wasser, die hinabdonnert. Denn das sind mehr als 200’000 Liter pro Sekunde! Da wir ansonsten keine weiteren Aktivitäten geplant hatten, liessen wir Taupo relativ schnell wieder hinter uns und fuhren weiter Richtung Norden, nach Rotorua.

Rotorua zum Zweiten

Vor rund einem Monat waren wir schon einmal in Rotorua gewesen und hatten eine Tour in einem Maori-Dorf gemacht, sowie die verschiedenen geothermischen Aktivitäten angeschaut. Dieses Mal fokussierten wir uns deswegen auf andere Sachen. Am Abend unserer Ankunft fand im Stadtzentrum ein Nachtmarkt statt, den wir uns natürlich nicht entgehen lassen konnten. Er war zwar nicht gross, aber bot eine enorme Vielfalt an kulinarischen Leckerbissen. Zum Dessert gab es an diesem Abend noch ein besonderes Highlight: eine wunderbare Crèmeschnitte aus der Bäckerei eines Schweizers, der vor einigen Jahren nach Neuseeland ausgewandert ist. Und er hatte nicht nur feine Desserts im Angebot, sondern auch noch Zöpfe! Nach über sieben Monaten auf unserem Weltreisli hatten wir so am nächsten Morgen wieder einmal ein bisschen Heimatfeeling zum Frühstück 😉

Ziplining 

Nicht nur das Frühstück war dank dem Zopf an diesem Tag besonders gut, sondern auch die Tour, die wir bei Rotorua Canopy Tours gebucht hatten. Mit einem kleinen Grüppchen und zwei lokalen Guides ging es ab in den Wald zum Ziplining. Aufgebaut war der Parcours in einem Stück ursprünglichen Waldes, so wie man ihn vor vielen hundert Jahren noch auf beiden Inseln Neuseelands finden konnte, bevor das grosse Abholzen leider auch hier begann. Da die Tour grossen Wert auf einen sinnvollen Umgang mit der Umwelt legt, bekamen wir unterwegs immer wieder wertvolle Informationen zur Flora und Fauna im Gebiet. Die Guides erklärten uns ausserdem, wie sich ihr Unternehmen darum bemüht, eingeschleppte Schädlinge wie Ratten oder Opossums zu bekämpfen. Diese Tiere haben in Neuseeland keine natürlichen Feinde und vermehren sich deswegen explosionsartig. Sie stellen vor allem eine grosse Gefahr für die einheimische Tierwelt dar. Denn Vögel wie Neuseelands bekannter Kiwi stehen ganz oben auf ihrem Speisezettel.

Es hat uns enorm Spass gemacht, per Ziplines durch den Wald zu düsen, über Hängebrücken zu laufen und dabei noch ein gutes Projekt zu unterstützen. Wir hoffen sehr, dass dieses Unternehmen weiterhin so tolle Arbeit leisten kann und es gelingt, die einheimische Tierwelt vor den Eindringlingen ausreichend zu schützen.

 

 

Farmshow

Gleich am nächsten Tag hängten wir ein weiteres tolles Erlebnis an unseren Aufenthalt in Rotorua an. Wir besuchten eine sehr unterhaltsame Farmshow! Vor Showbeginn konnten wir uns noch ein bisschen auf dem Gelände umschauen. Es gab einige junge Tiere, die man streicheln konnte. Vor allem die kleinen Alpakas und die Lämmer waren enorm süss. Bei der Show wurden dann 19 verschiedene Schafrassen vorgestellt, die viel Anlass zum Lachen gaben. Einige der Schafe waren schon lange nicht mehr geschoren worden und sahen kaum mehr aus ihren Augen, so viel Wolle trugen sie mit sich herum. Wir amüsierten uns köstlich ab all diesen Wollknäueln. Am Schluss konnten wir auch noch zuschauen, wie ein Schaf auf der Bühne geschoren wurde.

  

Coromandel Peninsula

Auf unserer Flucht vor dem Schneesturm und den kalten Temperaturen legten wir nach Rotorua einen Halt auf der Coromandel Peninsula ein. Sie befindet sich gut zwei Stunden östlich von Auckland und ist auch bei den Neuseeländern ein beliebtes Ausflugsziel. Wir besuchten nicht die ganze Halbinsel, sondern beschränkten uns auf das Gebiet rund um den Ort Hahei. Von dort aus machten wir eine Kajaktour zur Cathedral Cove. Dabei handelt es sich um einen Felsen, der den Sandstrand einer schönen Bucht halbiert. Durch den natürlichen Tunnel im Felsen drin können aber beide Strandabschnitte besucht werden. Auf der Kajaktour kamen wir ausserdem an einigen kleinen Inseln vorbei und sahen einen Stachelrochen sowie viele Fische. Gleich im Anschluss an die Tour besuchten wir noch den in der Nähe gelegenen Hot Water Beach. Dieser Strand ist ein beliebtes Ausflugsziel für Einheimische und Touristen. Denn man findet dort tatsächlich heisse Quellen, wenn man im Sand ein bisschen in die Tiefe buddelt. Wir waren deswegen nicht die einzigen, die mit einer Schaufel ausgerüstet versuchten, unseren eigenen kleinen Pool auszuheben. An manchen Stellen war das Wasser jedoch so heiss, dass wir kaum darin stehen konnten. Es war wirklich schwierig, einen geeigneten Ort für den Pool zu finden. Entweder war das Wasser zu heiss, oder dann wieder fast zu kalt, um sich gemütlich hineinzusetzen. Trotzdem hatten wir unseren Spass und rätseln bis heute darüber, wie es sein kann, dass das Wasser an einer Stelle im Sand so heiss und 30 cm daneben wieder massiv kälter ist.

Nach all diesen unterhaltsamen und abwechslungsreichen Aktivitäten auf der Nordinsel werden wir nun als Letztes noch dem Gebiet nördlich von Auckland, dem Northland, einen Besuch abstatten. Unser Ziel ist es, den ganzen Weg bis an die Spitze der Nordinsel zu fahren. Anschliessend werden wir dann für die letzte Woche in Neuseeland nochmals nach Auckland zurückkehren und dort versuchen, unser Auto weiterzuverkaufen. Wir sind gespannt, was diese letzten zwei Wochen noch für uns bereit halten werden und freuen uns vor allem auch darauf, dass wir nochmals ein bisschen Zeit mit Andreas Arbeitskollegin Jessica und ihrer Familie verbringen dürfen.

Die Flucht vor dem Schneesturm
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