In Buenos Aires hatten wir uns sehr wohl gefühlt. Das hatte natürlich vor allem auch an Natalia und ihren Freunden gelegen, da wir mit ihnen eine tolle Zeit verbringen durften. So vergingen die Tage in Argentiniens Hauptstadt fast zu schnell, obwohl wir über eine Woche dort verbrachten. Doch nun stand bereits das nächste Highlight unserer Reise vor der Tür: Mit dem Flugzeug ging es nach Puerto Iguazú. Von dort aus hatten wir drei ganze Tage, um die berühmten Iguazú Wasserfälle sowohl von der argentinischen, als auch von der brasilianischen Seite her zu besuchen.

Niagara Fälle vs. Iguazú Wasserfälle

Nun war es also endlich soweit: die Iguazú Wasserfälle warteten auf uns! Neben dem Inka Trail auf den Machu Picchu und dem Salar de Uyuni waren die Iguazú Wasserfälle die dritte Sehenswürdigkeit, welche wir uns auf unserer Reise durch Südamerika nicht entgehen lassen konnten. Vor ein paar Monaten, als wir in Kanada unterwegs gewesen waren, hatten wir in Toronto sogar extra darauf verzichtet, die Niagara Fälle zu besuchen. Dies, weil wir wussten, dass mit den Iguazú Wasserfällen wohl noch spektakulärere Wasserfälle auf uns warten würden. Mit relativ grossen Erwartungen machten wir uns deswegen auf den Weg zum Park und waren gespannt, was auf uns zukommen würde.

Start auf der argentinischen Seite

Die argentinische Seite der Iguazú Wasserfälle ist von der Fläche her deutlich grösser als die brasilianische. Viele Reiseführer empfehlen deswegen, sich für diese Seite zwei Tage Zeit zu nehmen. Da wir dies auch so einberechnet hatten, fuhren wir ohne grösseren Stress mit dem öffentlichen Shuttlebus bis zum Eingang des Parks. Glücklicherweise wartete keine riesige Menschenmasse auf uns, wie wir zuerst befürchtet hatten. So konnten wir zügig den Eintritt bezahlen, der aus unserer Sicht verhältnismässig wenig kostete (ca. 18 Franken pro Person), und uns eine sinnvolle Besichtigungsroute überlegen. Auf der argentinischen Seite gibt es verschiedene Spazierwege, die man ablaufen kann, sowie eine kleine Eisenbahn, die bis zur Hauptattraktion fährt. Dabei handelt es sich um einen gewaltigen Wasserfall mit dem Namen «Gargante del Diablo», übersetzt «Teufelsschlund». Da wir gelesen hatten, dass das Licht zum Fotografieren beim Teufelsschlund am Nachmittag besser ist, und es dann auch deutlich weniger Leute dort hat, hoben wir uns diesen Teil des Parkes bis zum Schluss auf und erkundeten zuerst zwei beliebte Spazierwege, den Circuito Superior und den Circuito Inferior.

Eine kleine Dusche gefällig?

Die Route des Circuito Superior führte uns sehr nahe an verschiedene Wasserfälle heran. Da man jedoch fast schon «auf» den Fällen läuft, kann man deren Ausmass nicht ganz so gut einschätzen. Man merkt zwar, dass sehr viel Wasser über die Felsen stürzt, aber die wahre Dimension der Iguazú Wasserfälle bleibt einem noch etwas verborgen. Wir fanden diesen ersten Spaziergang deswegen spannend, aber nicht ganz so gut wie den zweiten, den Circuito Inferior. Denn auf diesem Weg bekommt man mehrmals die Gelegenheit, die Wasserfälle aus der Distanz zu betrachten. Der Weg führt zudem auch noch sehr nahe an einen Wasserfall heran. Die Gefahr, dort nassgespritzt zu werden, ist entsprechend gross. Der Circuito Inferior hat uns persönlich deswegen besser gefallen, weil man eher zu fassen bekommt, wie absolut überwältigend die Iguazú Wasserfälle wirklich sind.

Dem Teufel in den Rachen schauen

Im Laufe des Nachmittages fuhren wir dann mit der kleinen Eisenbahn, die es im Park hat, noch bis zur Station des Garganta del Diablo. Nach einem rund 15 minütigen Spaziergang hatten wir unser Ziel erreicht. Eine enorme Wassermasse stürzt sich dort von den Felsen, ein wirklich spektakulärer Anblick. Da konnten alle anderen Wasserfälle, die wir bisher auf unserer Reise besucht hatten, definitiv einpacken. 😉

Grenzübertritt leicht gemacht

Zufrieden und voller wunderbarer Eindrücke machten wir uns am Abend auf den Rückweg nach Puerto Iguazú. Eigentlich hätten wir noch einen zweiten Tag für die argentinische Seite der Wasserfälle einberechnet gehabt. Aber da wir an diesem ersten Tag schon alle Wege abgelaufen waren, und auch den Teufelsschlund bereits besichtigt hatten, wussten wir gar nicht recht, was wir am zweiten Tag noch hätten machen sollen. Es hätte zwar die Möglichkeit gegeben, eine Bootstour zu buchen, aber diese kostet eine Stange Geld und man kommt nicht wirklich nahe an die grossen Wasserfälle heran. So entschieden wir, am zweiten Tag einfach gemütlich nach Brasilien zu fahren und allenfalls in Foz do Iguaçu, auf der brasilianischen Seite der Wasserfälle, noch etwas zu unternehmen. Mit dem öffentlichen Bus fuhren wir innert weniger Minuten von Argentinien nach Brasilien, oder von Puerto Iguazú nach Foz do Iguaçu. An der argentinischen Grenze mussten wir nur den Ausreisestempel holen. Auch die Einreise nach Brasilien verlief völlig unproblematisch. Wir standen kurz am Schalter an, zeigten unsere Pässe, bekamen den Stempel – das wars. Also überhaupt keine bürokratischen Hürden oder irgendwelche Fragen zu unseren Plänen in Brasilien. So sollte es doch immer sein. 😉 Das einzig Negative war, dass der öffentliche Bus, welcher beim argentinischen Zoll noch auf uns gewartet hatte, beim brasilianischen Zoll ohne uns weitergefahren war. So mussten wir eine geschlagene Stunde lang bei gefühlten 40 Grad im Schatten auf den nächsten Bus warten. 😀

Foz do Iguaçu und seine Weihnachtsbeleuchtung

In Foz do Iguaçu stellten wir zuerst einmal fest, dass uns eine Stunde Zeit „geklaut“ worden war. Eine lustige Begebenheit, wenn man bedenkt, dass Puerto Iguazú und Foz do Iguaçu nur gerade ein paar Kilometer auseinanderliegen. Nachdem wir im Hostel eingecheckt und uns im Zimmer eingerichtet hatten, begann es doch tatsächlich zu regnen, sodass unsere Erkundungspläne für den Moment gestoppt wurden. Wir beliessen es schlussendlich dabei, den Ort einfach am Abend noch ein bisschen kennenzulernen, indem wir einen kleinen Spaziergang machten. Besonders ins Auge stachen uns dabei die unzähligen Weihnachtsdekorationen, die entlang der Hauptstrasse installiert worden waren. So erlebten wir in diesem Jahr zum ersten Mal ein bisschen Weihnachtsstimmung. Aber die hohen Temperaturen und die Umgebung wollten nicht wirklich zu unserem Begriff von Weihnachten passen.

Ab auf die brasilianische Seite

Der dritte Tag im Gebiet der Iguazú Wasserfälle gehörte dann der brasilianischen Seite. Wie schon in Argentinien fuhren wir auch in Foz do Iguaçu mit dem öffentlichen Bus zum Eingang des Park. Das dauerte zwar einiges länger, als wenn wir einen Shuttle oder ein Taxi genommen hätten, war aber auch entsprechend günstiger. Während der Shuttle unseres Hostels 50 Reais (ca. 12 CHF) pro Person gekostet hätte, zahlten wir im Bus nur gerade 3.75 Reais (ca. 1 CHF). Eine lohnende Alternative also. 🙂 Auch auf der brasilianischen Seite waren wir vom recht günstigen Eintrittspreis des Parkes überrascht, der pro Person nicht einmal 20 CHF betrug. Wenn man in der Schweiz oder generell in Europa (und vermutlich auch in vielen anderen Ländern der Welt…) eine solche Sehenswürdigkeit wie die Iguazú Wasserfälle besichtigen würde, müsste man dafür bestimmt einen deutlich grösseren Betrag ausgeben.

Der Kampf mit den Asiaten

Auch auf der brasilianischen Seite hielt sich der Menschenauflauf beim Eingang zum Glück einigermassen in Grenzen. Auf dieser Seite kann man nicht ganz so viele Spaziergänge machen wie auf der argentinischen. Es gibt nämlich nur einen einzigen Weg, den man ablaufen kann, und der am Schluss bei einer grossen Aussichtsplattform in der Nähe des Garganta del Diablo endet. Mit einem Shuttle wurden wir vom Parkeingang ein Stück weit in den Park hineingefahren. Für den Spaziergang mussten wir bei der zweitletzten Haltestelle aussteigen. Das taten mit uns zusammen auch praktisch alle anderen Leute. Eingequetscht in eine riesige Horde asiatischer Touristen, die schon beim Aussteigen aus dem Bus wie wild am Fotografieren waren, erkämpften wir uns einen Platz beim ersten Aussichtspunkt. Doch lange konnten wir die Umgebung nicht geniessen. Denn die Asiaten wollten auf ihren Fotos möglichst niemanden draufhaben. Deswegen fuhren sie resolut ihre Ellbogen aus und gaben uns zu verstehen, dass wir uns gefälligst zur Seite bewegen sollten. Als sie dann nach einer halben Ewigkeit alle ihre Fotos im Kasten hatten und weiterzogen, konnten wir den Ausblick doch noch geniessen. Und dieser Ausblick war auf jeden Fall gewaltig. Uns präsentierte sich nämlich ein wunderbares Panorama mit ganz vielen Wasserfällen.

Eine sehr eindrückliche Sehenswürdigkeit

Dieses Panorama blieb uns auch noch während des ganzen restlichen Weges erhalten, was wir sehr toll fanden. Das ist eindeutig der Vorteil an der brasilianischen Seite. Man bekommt die enorme Dimension der Iguazú Wasserfälle viel besser zu fassen, weil man sie aus der Distanz betrachten kann. Auf der argentinischen Seite ist man zwar näher an den Fällen dran, aber die brasilianische Seite bietet ganz klar das bessere Panorama. Bei der Aussichtsplattform, welche das Ende des Spazierweges markierte, konnten wir nochmals den Gargante del Diablo bestaunen. Er war auch aus diesem Blickwinkel sehr eindrücklich. Mehr war dann aber nicht mehr zu machen, ausser unser Mittagessen vor den aufdringlichen Nasenbären zu verteidigen.

Ein paar putzige Vögel zum Abschluss

Da wir nur wenige Stunden auf der brasilianischen Seite der Iguazú Fälle verbracht hatten, blieb uns am Nachmittag noch ein bisschen Zeit für den Besuch eines Vogelparkes. Dieser befindet sich unweit des Parkeingangs auf der brasilianischen Seite und geniesst einen sehr guten Ruf. Es werden dort viele Vögel aufgepäppelt, die aus der Gefangenschaft befreit werden konnten. Auch unternimmt der Park einiges, um gefährdete Arten zu schützen und zu ihrer Vermehrung beizutragen. So konnten wir zum Teil aus nächster Nähe verschiedenste Vogelarten beobachten, die alle hauptsächlich in Südamerika heimisch sind. Besonders gefallen haben uns die bunten Papageie und die Tukane mit ihren gewaltigen Schnäbeln.

Die Iguazú Wasserfälle waren definitiv ein absolutes Highlight für uns. Man kann sich nur schwer vorstellen, was für eine riesige Wassermasse dort jede Sekunde über die Felsen donnert und die ganze Umgebung in einem saftigen Grün erblühen lässt. Wer eine Reise nach Südamerika geplant hat, sollte sich auf jeden Fall Zeit für einen Besuch dort nehmen. 😉

Bei den überwältigenden Iguazú Wasserfällen
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