Unsere Québec-Rundreise hatte in Montréal am Flughafen gestartet und uns via Québec City nach Tadoussac gebracht. Vier sehr erlebnisreiche Tage hatten wir in diesem hübschen Küstendorf verbracht, mit vor allem vielen tollen Walbeobachtungen. Doch nun war es an der Zeit, weiterzuziehen. Wir wollten ja auch noch weitere Teile der Provinz Québec sehen.

Bienvenue sur la Gaspésie

Mit der Fähre ging es deswegen von Baie-Comeau, das rund zwei Stunden nordöstlich von Tadoussac liegt, nach Matane. Dieser Ort liegt auf der anderen Seite des St. Lorenzstroms auf der Halbinsel Gaspésie. Auf der Überfahrt wurde uns erst so richtig bewusst, wie gross der Fluss überhaupt ist. Denn wir brauchten mehr als zwei Stunden, bis wir auf der anderen Seite angekommen waren. Unser Ziel an diesem Tag war aber nicht Matane selber, sondern der Ort Gaspé, welcher ganz im Osten der Halbinsel liegt. Je weiter östlich wir fuhren, umso mehr freute sich Patrick. Nun konnte er nämlich endlich wieder einmal sein Schulfranzösisch auspacken. Man konnte schon fast meinen, in Frankreich zu sein, war doch praktisch alles nur noch en français. Zum Glück hatte er mit Isabelle und Andrea zwei Übersetzerinnen dabei, die zwar häufig mit dem speziellen Dialekt der Québecer zu kämpfen hatten, aber sich doch irgendwie durchschlagen konnten. Und glücklicherweise wechselten die meisten Leute auf Englisch, wenn wir sie darum baten, oder wenn sie merkten, dass wir am Anschlag waren. 😉

 

Ein Rendezvous mit dem grössten Tier der Welt 

Bevor wir uns wieder auf den Rückweg nach Montréal machten, verbrachten wir noch vier wunderbare Tage auf der Gaspésie Halbinsel. Wir machten mehrere schöne Wanderungen im Forillon National Park. Dort besuchten wir unter anderem das Cap-Bon-Ami und machten nochmals eine Walbeobachtungstour auf einem Boot. Zwar hatten wir dieses Mal nicht mehr das Glück, so viele Wale zu sehen wie auf der ersten Tour in Tadoussac. Aber dafür zeigte sich gleich das grösste und schwerste aller Tiere überhaupt. Wir sahen nämlich tatsächlich einen Blauwal! Bis zu 200 Tonnen kann ein ausgewachsener Blauwal wiegen, das Herz alleine macht dabei schon gegen eine Tonne aus. Er wird im Schnitt etwa 26 Meter lang. Unvorstellbar grosse Zahlen! Obwohl sich unser Boot dem Blauwal nur bis auf max. 400 Meter nähern durfte, konnten wir auch aus der Ferne erkennen, was für ein gewaltiges Tier da vor uns im Wasser am Fressen war.

Das Ende der Welt mit einer kleinen Überraschung

Im Anschluss an die Walbeobachtungstour machten wir noch eine Wanderung der Küste entlang bis zum Ende der Welt, oder eben auf Französisch «Le Bout Du Monde». Von diesem Aussichtspunkt aus hat man einen tollen Blick auf die Küste und den St. Lorenz-Golf, ausserdem steht auch ein kleiner Leuchtturm dort. Als wir uns im Gras niederliessen, um das mitgebrachte Mittagessen zu verspeisen, wollte Andrea zuerst noch kurz ein Foto von der Umgebung machen. Sie schaute sich ein bisschen um, um das perfekte Motiv zu finden, als sie plötzlich am Gegenhang eine Bewegung wahrnahm. Da war ganz sicher ein Tier unterwegs! Die Frage war nur, was für eines? Schnell packten wir die Feldstecher aus, die Isabelle aus der Schweiz mitgebracht hatte, und bekamen bald die Bestätigung, dass dort drüben ein Schwarzbär herummarschierte! Obwohl er ziemlich weit weg war, konnten wir ihn durch die Feldstecher super beobachten. Endlich, endlich hatten wir doch noch einen Bären zu Gesicht bekommen!

Ein spezieller Felsen und ein paar Vögel

Auch am nächsten Tag hatten wir wieder einen Ausflug auf der Gaspésie Halbinsel eingeplant. Dieses Mal fuhren wir nach Percé, das ein bisschen weiter südlich liegt als Gaspé. Percé ist vor allem für den Rocher Percé bekannt, einen sehr markanten Felsen direkt vor der Küste. Er erinnerte uns von der Form her ein wenig an die London Bridge an der Great Ocean Road in Australien. Anscheinend gehört er zu den meistfotografierten Objekten in Ostkanada und ist ein grosses Touristenmagnet. Mit einem Boot fuhren wir zum Felsen hinaus und umrundeten ihn einmal fast komplett. Nachdem alle Fotos im Kasten waren, ging es jedoch nicht wieder zurück in den Hafen, sondern noch zur Île Bonaventure. Bekannt ist die Insel vor allem, weil auf ihrer Südküste eine riesige Kolonie von Gannets (Basstölpeln) lebt. Es handelt sich dabei um die grösste Kolonie dieser Vögel in Kanada. Gewisse Schätzungen gehen sogar davon aus, dass es die grösste Kolonie der Welt ist. Vier verschiedene Wege führen auf der Insel herum, die alle am Ende bei der Basstölpel-Kolonie ankommen. Wir wählten die Strecke der Küste entlang und wurden mit tollen Ausblicken auf die Umgebung belohnt. Im Wasser schwammen auch immer wieder viele Seehunde, die ihre Köpfe aus dem Wasser streckten. Die Basstölpel-Kolonie war dann tatsächlich sehr eindrücklich. Wohl noch nie zuvor hatten wir so viele Vögel auf einem Haufen gesehen. Sie produzierten auch einen entsprechend grossen Lärm, den man weitherum hörte. Vom Beobachtungsturm aus konnten wir die Tiere über längere Zeit aus nächster Nähe beobachten, was sehr unterhaltsam war.

Wo bleiben die Elche?

Durch all diese tollen Ausflüge war auch die Zeit auf der Gaspésie enorm schnell vorbeigegangen. Schon mussten wir uns leider wieder auf den Rückweg Richtung Montréal machen. Aber es lag noch ein grosses Stück Weg vor uns, sodass wir dieses Mal einen Zwischenstopp in Matane einlegten und dort übernachteten. Bevor wir jedoch nach Matane fuhren, machten wir noch einen Halt beim Parc national de la Gaspésie. Denn neben all den Walen, dem Schwarzbären und den vielen Vögeln hatten wir ein Tier noch nicht zu Gesicht bekommen, obwohl es ebenfalls häufig auf der Gaspésie anzutreffen sein sollte: den Elch! Höchste Zeit also, das noch zu ändern. Nachdem wir zuvor schon mehrere erfolglose Wanderungen unternommen hatten, setzten wir unsere letzten Hoffnungen auf eine ganz spezifische Wanderung im Parc national de la Gaspésie. Sie ist sehr bekannt, weil viele Elche in diesem Gebiet leben und man sie deswegen des Öfteren gut beobachten kann. Motiviert bis in die Fingerspitzen marschierten wir also los und getrauten uns kaum zu atmen. Denn schliesslich konnte ja hinter jeder Kurve ein Elch auf uns warten. Je weiter wir liefen, umso mehr schwanden allerdings unsere Hoffnungen. Kein Tier zeigte sich, obwohl an jeder Ecke Schilder davor warnten, den Weg nicht zu verlassen und die Elche zu respektieren. Als wir das Ziel der Wanderung, einen Aussichtspunkt, erreicht hatten, waren wir bereits ein wenig frustriert. Aber wir gaben noch nicht auf. Mit den Feldstechern suchten wir etwa eine Stunde lang minutiös die Umgebung ab. Mit dem Resultat, dass wir zwei Mal für vielleicht drei Sekunden eine Elchkuh zu Gesicht bekamen, die in einem etwas entfernteren Wald herumspazierte. Die Bäume verdeckten sie aber die meiste Zeit und an ein Foto war deswegen schon gar nicht zu denken. Auch auf dem Rückweg zum Parkplatz tauchte kein Elch mehr auf. So mussten wir diese Mission zwar nicht für komplett, aber doch für zum grossen Teil als gescheitert erklären. Janu, man kann halt nicht alles haben. 😉

Abschluss der Rundreise in Montréal

Die letzten zwei Tage unserer Québec-Rundreise mit Isabelle werden wir nun noch in Montréal geniessen. Dann heisst es aber leider schon wieder Abschied nehmen von ihr. Die Zeit in Québec City, Tadoussac und auf der Gaspésie Halbinsel hat uns enorm Spass bereitet. Wir durften viele schöne Ausflüge machen und wunderbare Tierbeobachtungen erleben. Ohne Isabelle wären wir vermutlich gar nicht in diese Region gefahren. Aber da sie so gerne Wale sehen wollte, sind wir sehr froh, dass es uns dadurch ganz in den Osten von Kanada verschlagen hat. Wir können die Gegend wärmstens weiterempfehlen. Selbst Patrick hat es gut gefallen, auch wenn er nicht immer glücklich über das viele Französisch war, das ihm andauernd zu Ohren kam. 😉

Bären, Wale und andere Tiere: Québec-Rundreise Part II
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