Um auf der Halbinsel Yucatán herumzureisen, hatten wir uns wieder einmal den Luxus eines Mietautos gegönnt. Die Reise wäre zwar auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich gewesen, aber dadurch um einiges komplizierter und aufwändiger geworden. Da wir jetzt, gegen Ende der Reise, nochmals möglichst flexibel sein wollten, entschieden wir uns deswegen für das wohl etwas teurere, aber auf jeden Fall angenehmere Verkehrsmittel.

Preiserhöhungen à la Mexiko

Mit unserem Chevrolet düsten wir am ersten Tag von Playa del Carmen nach Westen Richtung Valladolid. Von dort aus ging es direkt weiter zur nahegelegenen Ausgrabungsstätte „Ek Balam“. Da dies unser erster Besuch bei einer archäologischen Ausgrabungsstätte war, hatten wir keine Ahnung, was uns erwarten würde. Im Reiseführer hatte nur gestanden, dass es eine kleinere Stätte sei, die nicht von allzu vielen Touristen besucht werde und knapp zehn Franken Eintritt koste. Da staunten wir nicht allzu schlecht, als der Herr am Schalter plötzlich mehr als 20 Franken pro Person verlangte. Wir fragten nach, da wir sicher waren, uns verhört zu haben. Dem war aber nicht so. Da er unsere ungläubigen Gesichtsausdrücke sah, fügte er hinzu, der Eintritt habe sich eben seit dem 1. Februar leicht erhöht. Der Mann hatte Humor, keine Frage. Ein Aufschlag von über 100 Prozent ist aus unserer Sicht definitiv keine „leichte“ Erhöhung, sondern eher eine freche Abzocke! Andrea wollte schon wieder zum Auto zurücklaufen, weil sie sich masslos darüber aufregte. Patrick konnte sie jedoch noch umstimmen. Den Weg hatten wir ja doch schon auf uns genommen und wir hatten sonst keine Pläne mehr an diesem Tag. So drückten wir dem Herrn zähneknirschend unser Geld in die Hand und stiefelten leicht angesäuert los. Auf einen Guide, der nochmals über 30 Franken gekostet hätte, verzichteten wir allerdings dankend.

Die erste Ausgrabungsstätte 

Nachdem wir ein paar Souvenirstände passiert hatten, erreichten wir schon bald die ersten Gebäude der Ausgrabungsstätte. Sie waren relativ gut erhalten, respektive wieder schön rekonstruiert worden. Da tatsächlich nur wenige Touristen herumliefen, herrschte eine gemütliche, friedliche Atmosphäre. Das höchste und wohl auch wichtigste Gebäude der ganzen Anlage, Akropolis genannt, war imposant. Von der Spitze aus, die man hier immer noch erklimmen kann, hatten wir einen tollen Ausblick auf die Umgebung. Einige Teile dieses Gebäudes wurden jedoch mit Replikas nachgebaut, was wir ein bisschen schade fanden. Man erkennt dadurch zwar, wie das Gebäude früher wohl einmal ausgesehen haben muss, aber es wirkt nicht mehr ganz so authentisch. Die restlichen, kleineren Gebäude gefielen uns deswegen fast besser und wir spazierten eine geraume Weile in der Anlage herum. Gerade als wir uns wieder auf den Rückweg zum Ausgang machten, stürmte eine riesige Touristengruppe das Gelände. Da hätte unser Timing wirklich nicht besser sein können.

Flamingos und eine Schlammpackung

Die erste Nacht unseres Roadtrips verbrachten wir in Río Lagartos. Dort starteten wir gleich früh am nächsten Morgen zu einer Bootstour ins nahegelegene Biosphärenreservat. Im Hafen von Río Lagartos schauten wir zuerst eine Weile den vielen Pelikanen und Kormoranen zu. Später führte uns die Tour weiter ins Reservat hinein. Wir bekamen ein grosses Krokodil zu Gesicht, sowie ein Babykrokodil, welches auf einem Baumstamm am Relaxen war. Neben vielen verschiedenen Reihern und anderen Vögeln entdeckten wir auch noch einige Flamingos. Das freute uns besonders, da wir die Tour hauptsächlich wegen dieser schönen Tiere gemacht hatten. Die Flamingosaison geht allerdings erst im April und Mai so richtig los. Dann können teilweise mehrere 10’000 Vögel in Río Lagartos beobachtet werden. Den Abschluss der Tour bildete ein „baño maya“. Der Körper wird dabei mit einer Schlammpackung eingerieben, was für babyweiche Haut sorgen soll. 🙂

Im Zentrum von Valladolid unterwegs

Von Río Lagartos aus fuhren wir zurück nach Valladolid. Unser Programm dort beinhaltete unter anderem einen ausgiebigen Stadtspaziergang und den Besuch dreier Cenoten. Eine Cenote ist vereinfacht gesagt ein Loch, das beim Einsturz einer Höhle entstanden ist und mit Süsswasser gefüllt wurde. Auf der Halbinsel Yucatán findet man unglaublich viele Cenoten. Heutzutage kann man in den meisten davon baden gehen. In einigen Cenoten kann man sogar tauchen, worüber wir im nächsten Blog berichten werden. Die drei Cenoten in Valladolid waren interessant, aber nach einiger Zeit im Wasser hatten wir dann auch wieder genug. In Valladolid gefielen uns vor allem der Park Francisco Canton Rosado mit der Kirche von San Servacio sehr gut, sowie das Kloster von San Bernardino de Siena.

Chichen Itza

Nach dem Aufenthalt in Valladolid führte unser Roadtrip weiter nach Mérida. Bevor wir jedoch dort eintrafen, legten wir unterwegs zwei interessante Stopps ein. Der erste führte uns an keinen geringeren Ort als nach Chichen Itza. Die berühmte Ruinenstätte gehört seit 1988 zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist wohl einer der meistbesuchten Orte auf der Halbinsel Yucatán. Ein Guide, den wir uns mit ein paar anderen Touristen teilten, führte uns über zwei Stunden lang in der grossflächigen Anlage herum. Er versorgte uns mit vielen interessanten Informationen zu Chichen Itza, die zu einem besseren Verständnis der gesamten Stätte führten. Im Vergleich zu Ek Balam, der ersten Ausgrabungsstätte, die wir besucht hatten, ist Chichen Itza wirklich um ein Vielfaches grösser und imposanter. Dank der Grösse verteilten sich immerhin auch die riesigen Touristenmassen ein wenig. Wir fanden die Stätte enorm spannend und verbrachten nach dem Ende der Führung noch mehrere Stunden in der Anlage. Ein Stück weit erinnerte sie uns an die Tempel in Angkor, in Kambodscha. Einfach unglaublich, zu welchen architektonischen Meisterleistungen auch das Volk der Mayas vor so vielen Jahrhunderten schon fähig war.

Izamal – die gelbe Stadt 

Obwohl unsere Köpfe nach dem Besuch von Chichen Itza schon ziemlich voll mit neuen Eindrücke waren, legten wir auf dem Weg nach Mérida noch einen zweiten Stopp in der Stadt Izamal ein. Izamal ist als die gelbe Stadt bekannt. Dies aus dem einfachen Grund, weil sehr viele der Gebäude im Zentrum einen gelben Anstrich haben. Nach einem leckeren Mittagessen in einem traditionellen Restaurant liefen wir ein bisschen herum und bestaunten einige schöne Gebäude. Sogar eine kleine Ausgrabungsstätte gibt es, mit einer recht gut erhaltenen Pyramide. Von ihrer Spitze aus hatten wir einen tollen Blick auf das Stadtzentrum und die dominante, natürlich ganz in Gelb gehaltene Kirche mit dem Kloster San Antonio de Padua. Eine Statue im dortigen Innenhof erinnert an den Besuch von Papst Johannes Paul II im Jahr 1993.

 

Mérida und Umgebung 

So erreichten wir erst spät an diesem Abend Mérida, die Hauptstadt des Bundesstaates Yucatán. In Mérida hatten wir uns für drei Nächte in einem Airbnb einquartiert. Wir erkundeten auch Mérida wieder auf mehreren Spaziergängen, die uns an viele unterschiedliche Ecken der Stadt führten. Schön war beispielsweise die Plaza Grande, der Hauptplatz, oder der Paseo de Montejo, die Hauptstrasse, die ein wenig an die Champs-Élysées in Paris erinnert. Viele Sitzmöglichkeiten luden in der ganzen Stadt zum Verweilen ein, was wir sehr genossen. Von Mérdia aus machten wir ausserdem einen Ausflug nach Celestún. Dort befindet sich, ganz ähnlich wie in Río Lagartos, ein Biosphärenreservat. Es ist die Heimat vieler Vögel, darunter einiger grosser Flamingokolonien. Wie schon in Río Lagartos war allerdings nicht Hauptsaison, weshalb wir anstelle von 40’000 bis 50’000 Flamingos nur ein paar kleinere Grüppchen sahen.

Auf der Halbinsel Yucatán – Von Valladolid nach Mérida

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